Laut gedacht: Beitragsformat

Diesen Dienstag gibt es nicht wie üblich einen Beitrag, sondern einige Gedanken zu diesem Blog. Vermehrt mache ich mir darüber Gedanken, wie hier weiter Inhalte erscheinen sollen. Normalerweise versuchen wir, jeden Dienstag einen Beitrag online zu stellen. Das klingt schon recht streng – also sagen wir: Normalerweise erscheint einmal die Woche ein neuer Beitrag auf diesem Blog.

Manchmal passt das aber einfach nicht. Oder man hat etwas anderes vor. Oder man hat schlichtweg keine Lust, etwas zu schreiben. Auch wenn dieses Hobby Spaß macht, manchmal hat man gerade einfach keine Lust. Nun schwebt mir vor, längere Beiträge zu einem bestimmten Thema zu verfassen. Das würde zwangsläufig die Frequenz neuer Beiträge reduzieren.

Darüber denke ich gerade nach. Und weil gerade Dienstag ist, ist das der optimale Zeitpunkt, diese Gedanken hier zu posten.

Man bekommt nichts geschenkt

Auch wenn es die Werbung immer wieder suggeriert – man bekommt nichts geschenkt.

  • “Gratis dazu”
  • “Mehrwertsteuer geschenkt”
  • “2 zum Preis von 1”

und so weiter dürfte jeder von uns schon einmal gehört haben. Niemals dagegen hört man

  • “Gratis dazu, weil wir es beim Hauptartikel ohnehin schon eingepreist haben”
  • “Mehrwertsteuer geschenkt, weil wir sie vorher aufgeschlagen haben”
  • “2 zum Preis von 1 weil wir dann immer noch Geld mit dem Billigartikel verdienen”.

Unternehmen sind Unternehmen, und diese wollen Geld verdienen. Das ist mehr als legitim. Und die Annahme, man würde irgendetwas geschenkt oder aus Wohlwollen bekommen, ist ganz einfach naiv. Sich das vor Augen zu halten, erspart zumindest mir so manchen impulsiven Kauf.

Mir geht es besser ohne… Teil 3

Der erste Teil aus der Reihe “Mir geht es besser ohne…” ist der meistgelesene Artikel auf diesem Blog. Wenn das kein Anlass für eine Fortsetzung ist. Hier also weitere Dinge, ohne die es mir besser geht.

…Verträge mit langen Mindestlaufzeiten. Mittlerweile schließe ich keine Verträge mehr ab, die ich nicht monatlich kündigen kann. Wer weiß denn schon, was in 12 oder gar 24 Monaten ist?

…Gepäck. Zumindest ohne großes Gepäck. Mit jeder Reise nehme ich weniger mit. Für mich ist die Gewissheit, dass alles, was ich wirklich brauche, in meinen Rucksack passt, etwas grundlegend positives.

…Benachrichtigungen. Mein Handy ist dauerstumm. Ich schaue also nur auf mein Smartphone, wenn ich gerade auf die Idee komme, darauf zu schauen.

…Einkaufszentren. Ehrlich gesagt sind die für mich sogar der Horror. Zu viel unnötige Dinge, zu viele Impulse, (falsche) Anreize – ich fühle mich dort richtig unwohl.

…So-da-Dinge. So habe ich gerade die Dinge getauft, die zwar da sind, aber nicht regelmäßig verwendet werden.

Offener Brief an den Vorstand der Deutschen Bahn

Neulich bin ich wieder einmal mit der Bahn in den Urlaub gefahren. Das habe ich schon mehrfach getan. Und irgendwie ist es immer wie ein Burger vom Fast Food Restaurant: Man schwört sich jedes Mal, es nie wieder zu machen, weil sämtliche Erwartungen enttäuscht wurden. Aber schlussendlich landet man dann doch nach längerer Abstinenz wieder dort. Es besteht nur ein Unterschied: Fast Food mag ich eigentlich gar nicht, Bahn fahren schon. Umso ärgerlicher ist es, was bei diesem Unternehmen geschieht.

Konkret: Ich bin mit dem IC2 gefahren. Der ist ja schon hinreichend “berühmt” durch Softwareprobleme, Wanken, Unzuverlässigkeit und die Wahrnehmung, nach der es ein optisch aufpolierter Regionalzug zu Fernverkehrspreisen ist.

Was passiert nun bei so einer Fahrt? Meistens alles. Der Zug fährt in anderer Wagenreihung, es werden keine Reservierungen angezeigt, der Fahrgast wird permanent mit viel zu lauten Durchsagen genervt. Im Falle des berühmten IC2 bleibt dieser auch einfach mal auf freier Strecke stehen um merkbar “neugestartet” zu werden. Meldungen über dieses Phänomen tauchen seit über vier Jahren auf. Vier (!) Jahre!

Währenddessen wirbt die Deutsche Bahn u.a. damit, dass im Zug jetzt angezeigt wird, wann die Internetverbindung voraussichtlich instabil oder wegfallen wird. Ein Unternehmen mit untauglicher Infrastruktur wirbt mit der Ankündigung ebenso untauglicher Infrastruktur auf anderem Gebiet. Genial. Auch das Projekt “sprechende Rolltreppen und Aufzüge” finde ich faszinierend.

Faszinierend dahingehend, wie praxisfremd, abgehoben und irrelevant hier Energien, Zeit und Geld vergeudet werden. Daher an dieser Stelle eine ganz verrückte Idee: Sorgen Sie doch erst einmal dafür, dass Ihre Züge wie geplant und richtig herum ans Ziel fahren. All den anderen überflüssigen Schnickschnack kann man dann angehen, wenn man seine eigentliche Arbeit getan hat. Und da haben Sie wirklich noch eine ganze Menge vor sich.

Achtsamkeit

Vielleicht kommt es nur mir so vor, aber seit das große C begonnen hat, schwirren unzählige Schlagworte durch die Medien und gelangen immer weiter in den Sprachgebrauch. Das sind solche Klassiker wie Work-Life-Balance, Ausgeglichenheit, Me Time und allem voran Achtsamkeit.

Überall wird propagiert – was ich prinzipiell ja auch sehr gut finde – dass man auf sich, seinen Körper und auch seine Umgebung achten soll.

Ich hatte schon Phasen, in denen es besser geklappt hat, auf mich selbst zu achten. Ich schwinge große Reden dazu, dass man auf sich achten soll, Arbeit und Privatleben trennen und sich Auszeiten nehmen soll. In letzter Zeit bemerke ich aber immer öfter, dass mir zwar bewusst ist, wie wichtig Achtsamkeit und Auszeiten für einen selbst und das Wohlbefinden sind, ich es aber nicht umsetze. Alles ist auf einmal wichtig, die Zeit für mich wird gekürzt, verschoben oder fällt gar aus, denn irgendwas ist immer.

Am Wochenende habe ich mich über dieses Hamsterrad mit meinem Co-Autor ausgetauscht. Seine Antwort auf meine fehlende Achtsamkeit: Irgendwas ist immer, es gibt gerade im Berufsleben immer Aufgaben, die aus welchen Gründen auch immer, dringlich sind und Priorität haben. Ist die eine Arbeit erledigt, folgt direkt die nächste, die ebenfalls direkt erledigt werden muss.

Und das war die nötige objektive Sicht von außen, die mich zum Umdenken gebracht hat. Da der Berg nicht kleiner wird, die Arbeiten am nächsten Tag immer noch auf mich warten und sich auch das Hamsterrad kontinuierlich weiterdrehen wird, war diese Woche geprägt von viel Zeit, nur für mich: Sport, Schwimmen, Lesen, Fernstudium…

Danke

Wachstumsökonomie vs. Qualität

Kennt ihr diese Gegenstände für die Ewigkeit? Die Schraubendreher, die man beim Auszug von seinen Eltern bekommen hat, und die man immer noch besitzt und gerne benutzt, weil sie maßhaltig und hochwertig sind? Oder irgendwelche Geräte aus den 70ern (diese Farben…) wie Handrührgeräte oder Stabmixer, die einfach nicht kaputt gehen?

Leider stirbt diese “Art” von Gegenständen aus. Die oft genannte Obsoleszenz. Mir scheint es so, als ob vor einigen Dekaden noch die Auffassung herrschte, dass ein hochwertiges, lange verwendetes Produkt eine hohe Kundenbindung erzeugt, und der Kunde sich dann gar nicht erst woanders umschaut, sondern gleich wieder zum Produkt des gleichen Herstellers greift. Zugegeben eine eher langwierige, aber nachhaltige Angelegenheit.

Und heute? Heute ärgere ich mich über Gegenstände, die nach kurzer Zeit der typischen Nutzung (Kabelbruch beim Staubsauger – wer zieht denn seinen Staubsauger nicht hinter sich her und damit das Kabel aus?) aufgrund unterdimensionierter Festigkeiten und Materialgüte den Dienst quittieren. Natürlich nicht, weil die Hersteller es nicht besser könnten (konnten viele ja mal). Sondern weil sie es nicht wollen.

Als Schlussfolgerung steht Qualität einer Wachstumsökonomie im Weg. Parallel dazu diskutieren Politik und Gesellschaft über Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Da es hier aber nach wie vor nicht um Politik gehen soll, beschränke ich mich auf meine notwendige Tätigkeit: Die Perlen finden, die es bestimmt hier und da noch gibt.

Und nun: Die Selbstoptimierung, die keine sein möchte

Ich stöbere, den verrückten letzten Monaten sei Dank sollte ich wohl sagen stöberte gerne in Buchhandlungen, und zwar in den Regalen mit Ratgebern. Anfangs deswegen, weil mich so viele Themen interessiert haben, auch bezüglich eigener Schwächen und von mir erachteten Notwendigkeiten der Verbesserung. Mittlerweile bin ich aber auch davon fasziniert, was man alles im Leben “falsch” machen kann.

Die Ernährung, die Schlafgewohnheiten, von Sport und Beruf ganz zu schweigen. Auch die Beziehung, die Finanzen, die Erziehung der eigenen Kinder und der eigene Garten. Es gibt nichts, wozu es nicht auch Ratgeber gibt. Ich kaufe mir solche Bücher schon längere Zeit nicht mehr, vor allem weil ich der Überzeugung bin, dass viele Dinge nicht pauschal optimiert werden können.

Dennoch beschäftige ich mich gerade mit einem Thema, welches geradezu prädestiniert ist für solche Bücher: Erfüllt sein. Welch ein tolles Thema. In Gedanken sehe ich die üblichen Verdächtigen vor mir. “In xy Schritten glücklicher” und so weiter. Also war ich auf der Suche nach einem Ratgeber, der kein Ratgeber ist, nach einer Selbstoptimierung, die keine sein möchte. Wie kann das gehen?

Einen Tipp erhielt ich durch meine geschätzte Co-Autorin Jennifer. Eine Art Tagebuch zur Selbstreflektion. Ich schreibe mir meinen Ratgeber also einfach selbst. Und bin schon jetzt sehr gespannt.

Trübe Tage

Das Aprilwetter zieht sich in den Mai, es ist abwechselnd warm und kalt, der Wind bläst und eigentlich hatte ich gehofft, die Tage schon jetzt am See ausklingen lassen zu können.

Da auch jetzt noch kein Alltag zu verzeichnen ist, versuche ich, meine Wochen mit festen Ankern zu strukturieren. Warum? Damit die Stunden, Tage und Wochen nicht nahtlos ineinander übergehen, und ich dem Alltag doch Besonderheiten abgewinnen kann. Anbei meine Liste, die der Flucht aus dem Einheitsbrei dient:

  • Das Frühstück bei einer Freundin, das fließend in Mittagessen und Abendbrot übergeht
  • Der Spaziergang in einer Wolken- und Regenpause
  • Die wöchentliche feste Yogastunde, in der ich immer weite Fortschritte beobachten kann
  • Das gute Buch abends, um den Tag abzuschließen
  • Die allabendlichen 5 Minuten, in denen ich den Tag Revue passieren lasse
  • Das selbst zubereitete Essen
  • Die Hoffnung, dass alles doch irgendwann wieder normal(er) wird

Und nun: Einige Gedanken – Teil 1

In meinem letzten Beitrag Und nun? habe ich die Frage thematisiert, wie ich auf dem Weg zu meinem persönlichen Minimalismus weitermache. Ziel ist dabei eigentlich nicht der Minimalismus selbst. Vielmehr geht es mir darum, mein Leben auf das für mich Wesentliche zu reduzieren. Mit dem Ziel, für das Wesentliche wiederum mehr Zeit und Ressourcen zu haben. So gesehen ist die Reduktion eher Mittel zum Zweck.

Wesentlich, das kann vieles sein. Bestimmte materielle Besitztümer gehören sicher auch dazu. Viel bedeutender sind aber bestimmte Menschen, gewisse Momente und Erinnerungen, Gesundheit etc. All das ist wichtiger, als Geld, Besitz oder Karriere. Logische Konsequenz wäre jetzt ja eigentlich, an den zur Verfügung stehenden Stellschrauben zu drehen.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass vieles ineinandergreift. Zum Beispiel kann man nicht in jedem Beruf einfach einmal ein paar Wochen Auszeit machen um z.B. eine lange Reise zu unternehmen. Manche Menschen haben auch bestimmte, zunächst einfach erscheinende Wünsche (ich habe auch so einen: Ich möchte einmal Polarlichter sehen). Bei genauerer Betrachtung stellt sich dann aber heraus, dass es zur Erfüllung zwar wenig Besitz, aber viel Geld und Zeit braucht.

Ich weiß, dass ich definitiv nie der Mensch sein werde, der seine Besitztümer zählt und grundsätzlich jeden Konsum verweigert. Ich konsumiere für mich an sich gerne, jedoch geht einer Kaufentscheidung eben eine Reihe von Überlegungen und Abwägungen voraus. Und ich habe mir Kaufen als Ablenkung von Stress und Frust abgewöhnt. Meine Überlegungen führen mich weg von diesen Gedanken. Hier habe ich, so glaube ich jedenfalls, den für mich passenden Weg gefunden. Kein Kaufen aufgrund von Stress oder Frust, sondern Schritte gegen Stress und Frust unternehmen.

Aktuell gehen meine Überlegungen eher in die Richtung meiner mentalen Kapazität. Was darf wieviel Raum in meinem Bewusstsein einnehmen? Bezüglich meiner Arbeit bin ich in der eigentlich beneidenswerten Situation, das weitestgehend selbst steuern oder zumindest beeinflussen zu können. Es bedarf an dieser Stelle “nur” etwas Disziplin und Konsequenz. Das gelingt zugegeben mal besser, mal schlechter. Zwar ist vieles derzeit nicht möglich, aber vermutlich ist gerade ein guter Zeitpunkt eingetreten, sich über die Prioritäten der kommenden Monate und Jahre Gedanken zu machen. In meinem “Und nun?” bin ich damit zwar nur in der Theorie einen Schritt weiter. Aber ich habe es ja zum Glück auch nicht allzu eilig.