Archiv für den Monat: April 2020

Meine Regal-Baustelle

Gedanken à la “Ich sollte mal wieder ausmisten oder “es hat sich wieder einiges angesammelt” verursachen gerade Unzufriedenheit in mir. Denn ich habe nach einer Zeit der doch recht konsequenten Umsetzung meiner materiellen Vorsätze (und einer spürbaren Erleichterung) wieder nachgelassen.

Die Tatsache, dass ich wie in einem meiner letzten Posts beschrieben in den letzten Wochen sehr wenig Geld ausgegeben und praktisch keine neuen Dinge angeschafft habe, dient mir als Motivation, dieses Thema wieder anzugehen. Gerade im letzten Jahr habe ich sehr viel verkauft, verschenkt und entsorgt. Und dennoch: Mein Regal ist wieder voll.

Da sind wieder Zeitschriften, die ich mir spontan am Bahnhof gekauft habe. Bücher, die ich gelesen habe und nicht noch einmal lesen werde. Papiere, die nicht mehr benötigt werden, Verpackungen und so weiter. Ich besitze tatsächlich nur ein einziges, 80cm breites Regal, in dem ich alles verstauen möchte, was keine Kleidung ist. Leider bleibt es aktuell beim guten Willen, denn alles passt nicht hinein.

Also werde ich beim Ausmisten meines Regals darüber nachdenken, warum es mir scheinbar schwer fällt, den schon einmal erreichten Zustand einzuhalten. Denn wirklich vermisst habe ich damals nichts, im Gegenteil. Es hatte etwas befreiendes an sich. Und es ist sehr zufriedenstellend gewesen, mit einem Handgriff zu haben, was man gesucht hat. Weil man eben nicht mehr suchen, und auch nichts mehr zur Seite räumen musste.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Seit einigen Wochen erfüllt eine seltsame Ruhe den Himmel. Kein Fluglärm. Keine Kondensstreifen. Die Börse legt den Rückwärtsgang ein. Die Fußgängerzonen waren zeitweise wie leer gefegt. Die Straßen waren leer, sogar die allwerktäglichen Staus, vielerorts waren sie verschwunden. Gerade die Börse ist zurück auf dem Boden der Tatsachen angelangt, nachdem in den letzten Jahren ein kaum erklärbarer Hype im Gange war.

Zweifelsfrei sind die vielen leidtragenden Angestellten der betroffenen Branchen in diesen Tagen nicht zu beneiden. Niemand sollte existentielle Ängste durchmachen müssen. Und es ist wichtig, alles uns mögliche zu unternehmen, um so viele Krankheitsfälle wie nur möglich zu verhindern. Ich für meinen Teil halte mich konsequent an die beschlossenen Maßnahmen und wünsche allen Betroffenen an dieser Stelle gute Besserung.

Dennoch, diese Zeiten haben auch positive Aspekte.

Die überwiegende Mehrheit von uns ist in einer Überflussgesellschaft aufgewachsen. Die ständige Verfügbarkeit aller begehrten Güter ist für uns normal, ja geradezu selbstverständlich. In Abteilungen des grundlegenden Bedarfs vor fast oder gar gänzlich leeren Regalen zu stehen, das kannten die meisten von uns nicht. Statt aus gefühlt dutzenden Produktvarianten die passende auszusuchen zählt nun, dass man das gewünschte Produkt überhaupt bekommt. Vielleicht führt diese Erfahrung wieder zu etwas mehr Wertschätzung und weniger Verschwendung von Lebensmitteln, aber auch von anderen Gütern.

Apropos Einkauf: Für mich persönlich wurde das Einkaufen, zumindest teilweise, um einen wesentlichen Faktor erleichtert. Denn ich hasse es, zu viel Auswahl zu haben. Persönliche Hassobjekte meinerseits sind zum Beispiel meterlange Regale voller Senf und Ketchup. Ich möchte einfach nur Senf. Im Supermarkt meiner Träume gibt es drei Sorten Senf. Alle sind von gleicher, hoher Qualität. Einer ist mild, einer mittelscharf und einer ist scharf. Diese schnelle Auswahl ist in einer Sekunde erledigt. Am einfachsten war die Auswahl, dank der kräftigen Mithilfe vieler Mitbürger, beim Toilettenpapier.

Nachdem nun über ein Monat mit den vorgegebenen Einschränkungen vorüber ist, macht sich nach dem üblichen Kassensturz eine deutliche finanzielle Einsparung bemerkbar. Da auf einen Schlag quasi sämtliche kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten sowie Gastronomiebesuche weggefallen sind, ist am Ende des Monats deutlich mehr Geld übrig. Dennoch – ich freue mich darauf, meinen Lieblingsrestaurants bald wieder einen Besuch abstatten zu können. Auch hier kommt mir wieder der Gedanke der Wertschätzung. Essen gehen, das ist Luxus, dessen Wertschätzung vielleicht auch bei mir zu sehr abgenommen hat.

Mal ehrlich, wie oft denkt oder spricht man den Satz: Ich habe keine Zeit? In diesen Zeiten kann man endlich wieder Zeit haben. Für den Partner, für sich selbst, und auch die Freunde müssen nicht zu kurz kommen. Denn vieles ist möglich, um in Kontakt zu bleiben.

Passt auf euch auf.

Wer hier schreibt – Teil II – das weibliche Pendant

„Hast du Lust auf einen Blog zum Thema Minimalismus?“ So erklärt sich in einem einfachen, als Frage formulierten Satz, wie ich beim Schreiben zum Thema Minimalismus gelandet bin. Da mein Blogschreibergegenstück nicht nur minimal, sondern auch liberal ist, darf ich mich vollkommen unerfahren nicht nur beim Verfassen von Texten, sondern auch direkt beim REGELMÄSSIGEN Verfassen von Texten versuchen. Als Grundschülerin wollte ich immer Autorin werden. Dann bin ich wohl doch mit einigen Umwegen bei meinem Ziel angekommen.

Notgedrungen war das Thema Minimalismus schon immer Teil meines Lebens. In meinem Fall hatte Minimalismus lange eine finanzielle Ursache und der Verzicht auf Konsum war der Tatsache geschuldet, dass meine Familie finanziell eher zur unteren Mittelschicht gehörte. Uns hat es nie an irgendetwas gefehlt, aber große Sprünge oder gar verschwenderische Ausgaben waren nie möglich und jetzt mit dem nötigen Abstand betrachtet im Nachhinein auch nie nötig.

Nach dem Abi und meiner Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin konnte ich mir dann aber Schritt für Schritt selbst Dinge leisten, die teilweise auch recht unnötig waren. Warum? Weil ich es endlich konnte. Ging es mir dadurch besser? Nein.

Ich war noch nie ein Freund großer Veränderungen und tue mir damit nach wie vor unfassbar schwer, aber vor drei Jahren musste ich bei Null anfangen, mein Leben wieder neu ordnen und lernen, erneut auf eigenen Beinen zu stehen – auch finanziell. Und nachdem ich mich so langsam aber sicher freigeschwommen hatte, gab es vor einem Jahr wieder einen großen Einschnitt in meinem Leben. Von einem Tag auf den anderen hatte sich so viel geändert, nichts war mehr wie vorher, aber ich habe gelernt, dass Geld und materielle Dinge nicht alles sind. Man – oder besser gesagt ICH – brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Ich befinde mich nach wie vor in einem ständigen Lernprozess, während dem ich die kleinen Dinge wertschätze. Mal gibt es gute und mal schlechte Tage, aber alles in allem geht es stets bergauf, und für diese Aufwärtsbewegung brauche ich keine materiellen Dinge mehr.

Wer hier schreibt – Teil I

Im Zuge der Verfassung dieser Zeilen stellte ich mir die Frage, zu welchem Zeitpunkt ich damit begann, mich mit dem Thema Reduktion zu befassen. Die Frage ist schnell beantwortet: Ich weiß es nicht mehr.

Nach einer eher offensiven Phase des Konsums nach dem Start ins Berufsleben kam ich zu der Einsicht, dass materieller Besitz allein nicht die Zufriedenheit steigert oder glücklicher macht. Diese Einsicht und das Lesen einiger Bücher und Blogs haben mein Interesse endgültig geweckt. Denn die Themen Reduktion und Minimalismus sind nicht auf den materiellen Konsum beschränkt. Ich selbst sehe mich nach wie vor in der Findung des einen, für mich richtigen und stimmigen Minimalismus.

Seit meinem Studium der Wirtschaftsinformatik arbeite ich als Entwickler und Berater in einer mittelständischen Softwarefirma. Auch dort halten die Themen Reduktion und Vereinfachung Einzug in meinen Arbeitsalltag, vor allem hinsichtlich Planung und Eigenorganisation.

Wenn ich weder beruflich noch privat in die Tasten haue, bewege ich mich am liebsten in der Natur. Gerne zu Fuß, noch lieber aber mit dem Fahrrad.

Liberal minimal?

Herzlich Willkommen auf liberal-minimal.de!

Auf diesem Blog geht es nicht um Politik. Im Gegenteil, es geht vielmehr um das Individuum, als um das Gemeinwesen. Es geht um das, was wir, die Autoren dieses Blogs, unter liberalem Minimalismus verstehen.

Der Duden definiert liberal als „dem Einzelnen wenige Einschränkungen auferlegend, die Selbstverantwortung des Individuums unterstützend; freiheitlich“[1]. Dieser Blog soll nicht bekehren, belehren oder einen bestimmten Lebensweg als den Richtigen benennen.

Die Autoren dieses Blogs begannen aus unterschiedlichen Gründen, sich mit den Themen Reduktion und Minimalismus zu befassen. Jeder setzt dabei andere Schwerpunkte, hat andere Motive und Ziele. An unseren Wegen, den Gedanken und der jeweiligen persönlichen Entwicklung möchten wir euch teilhaben lassen. Stets in der Hoffnung, euch bei dem ein oder anderen Thema einen sinnvollen Impuls für euren eigenen, liberalen und minimalistischen Weg liefern zu können.


[1] „liberal“ auf Duden online. URL: https://www.duden.de/node/151086/revision/151122

 (Abrufdatum: 26.04.2020)