Archiv für den Monat: Juni 2020

Ich möchte nur noch Lieblingssachen

Beim Radfahren verwende ich ein GPS-Gerät. Dieses Gerät treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn. Nicht nur, dass die Navigation nicht zuverlässig ist, die Software ist auch voller Fehler. Immerhin, es wird von Aktualisierung zu Aktualisierung besser. Also ein Produkt, welches bedingungslos nach dem Bananenprinzip hergestellt wurde. Es reift beim Kunden. Eigentlich besitze ich das Gerät nur deshalb noch, weil es viel Geld gekostet hat und ich es nicht einfach wegwerfen möchte.

Ebenfalls beim Sport mit dem Rad kommt regelmäßig ein Multi-Tool zum Einsatz. Dieses Multi-Tool ist das genaue Gegenteil von dem genannten GPS. Es ist in jeder Hinsicht hochwertig, zu Ende durchdacht und mit jeder Funktion ausgestattet, die ich benötige. Wenn ich unterwegs eine Schraube am Rad bewegen muss, weiß ich, dass das Werkzeug den passenden Aufsatz hat. Und dass dieser greift, statt zu verkanten oder abzurutschen.

Dieses Werkzeug ist eine Lieblingssache. Ich habe nicht im geringsten das Bedürfnis, mich nach einer Alternative oder einem Nachfolger umzuschauen. Im Gegenteil: Dieses Teil wird gehegt und gepflegt. Es passt perfekt zu meinen Anforderungen und erzeugt die beruhigende Gewissheit, im Fall der Fälle gut ausgerüstet zu sein.

Zum Glück wird der Anteil der Lieblingssachen größer. Damit das so bleibt, kaufe ich vor allem nichts mehr spontan. Wenn ein Bedarf entsteht, informiere ich mich vor dem Kauf gründlich. Zumindest dann, wenn sich herausgestellt hat, dass es sich wirklich um einen Bedarf handelt. Oft handelt es sich eher um Kauflaune. Und von diesen möchte ich mich nicht mehr leiten lassen. Steht dann der Entschluss einer Anschaffung, mache ich keine Abstriche bei der Qualität.

Neben des ohnehin gelebten Gedankens “Klasse statt Masse” finde ich Geiz letztendlich kontraproduktiv und ganz bestimmt nicht geil. Wenn also eine Anschaffung ansteht, spielt Geld, zumindest bis zu einem gewissen Punkt, “keine Rolle”. Der zweite Gedanke lautet also “wenn, dann richtig” oder “so günstig wie möglich, aber so teuer wie nötig”.

Soziale Reduktion – der für mich schwerste Teil

Lange habe ich überlegt. Darüber, ob ich überhaupt zu diesem heiklen Thema schreiben möchte. Denn dieses Thema ist nicht nur kompliziert, sondern auch höchst individuell. Den Anlass, mich überhaupt mit einer gewissen Frage zu beschäftigen, gab mir meine jüngere Vergangenheit.

Diese gewisse Frage lässt sich so formulieren: Manche Menschen belasten mich nur noch, sollte ich mich von ihnen lösen? Schnell ausgesprochen ist sie. Jedoch löste diese Frage zunächst eher Abneigung in mir aus. Man lässt Freunde nicht im Stich. Jeder macht einmal schwere Zeiten durch. Ich sollte ihnen lieber helfen. Schließlich haben wir auch gute Zeiten erlebt.

Was aber, wenn bei genauerer Betrachtung Einseitigkeit und emotionale Belastung seit geraumer Zeit überwiegen? Wenn schlechte Zeiten schon seit Jahren anhalten? Wenn man sich in verschiedene Richtungen entwickelt, oder einfach andere Vorstellungen von Freundschaft hat? Oder wenn man gefühlt als einzige Person Energie und Willen zeigt, die soziale Beziehung aufrecht zu erhalten?

Dann ist vielleicht ein Punkt erreicht, an dem man die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Allein dieser Gedanke war für mich Neuland. Ich bin eine treue Seele. Geradezu anhänglich. Ich verzeihe viel. Vielleicht zu viel. Entsprechend schwer fiel es mir, in die komplett andere Richtung zu gehen.

Den Kontakt zu einem langjährigen Freund oder einer Freundin abzubrechen, ist nicht einfach. Aber es ist in seltenen Fällen einfach besser. Nicht nur für mich. Was bleibt, sind Erinnerungen an schöne Zeiten, wichtige Erfahrungen fürs Leben und hin und wieder ein wenig Wehmut. Das ist okay.

Mein selbst auferlegtes Kaufverbot

Obwohl ich ausgesprochen gerne Witze über Schuh-, Handtaschen- und Plastikschüssel-Sammlungen meiner weiblichen Mitmenschen mache, muss ich mir eingestehen, dass ich ähnliche Verhaltensweisen an den Tag lege. Und dass ich mein Kaufverhalten ändern muss.

So besitze ich zum Beispiel fünf Rucksäcke. Und fünf Stück sind es nur deshalb, weil ich schon zwei hergegeben habe. Sieben Rucksäcke? Natürlich! Vier Fahrradrucksäcke in verschiedenen Größen für Ausflug, Tagestour und Urlaube. Mit und ohne Rückenprotektor. Zwei Bürorucksäcke und einen Reiserucksack. Hier also das Rucksack-Gesetz für mich selbst: Ich benutze meine Rucksäcke, bis sie kaputt sind. In dieser Zeit kaufe ich keinen mehr.

Es ist natürlich schön, für jeden Zweck das genau passende Modell zu haben. Aber notwendig ist das definitiv nicht. Dabei ist sogar der älteste Rucksack derjenige, der sich am universalsten einsetzen lässt. Ich kann damit ins Büro radeln, Tagestouren unternehmen und Sporturlaube damit machen. Lediglich für Geschäftsreisen ist das Modell aufgrund seiner Form und Farbe nicht geeignet. Zwei Rucksäcke würden also vollkommen reichen.

Weiter geht es in dieser Hinsicht u.a. bei meinen Sportjacken. Auch dort gilt ab sofort das Kaufverbot für mich selbst. Mittelfristig spare ich damit nicht nur Geld, sondern auch Platz.

Drei Monate Corona-Krise – ein persönlicher Rückblick

Nach nunmehr knapp drei Monaten allgegenwärtiger Präsenz von COVID-19 in Alltag und Medien habe ich gedanklich einige Schlussfolgerungen für mich selbst gezogen. Das Wichtigste zu allererst: Die Menschen um mich herum und auch ich selbst sind gesund. Daher habe ich das Glück, über folgendes nachdenken zu können.

Mehrfach habe ich in meinem Umfeld von Ängsten vor oder aufgrund von Verlust der Beschäftigung, Kurzarbeit und Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung gehört. Davor sind nur die wenigsten wirklich sicher. Man kann aber versuchen, die potenziellen Auswirkungen auf das eigene Leben möglichst gering halten. Keine Finanzierungs- oder Leasing-Verpflichtungen in Verbindung mit geringen fixen Ausgaben schaffen finanziellen Spielraum und lassen das eventuell notwendige Überbrücken wirtschaftlich schwerer Zeiten besser zu.

Oft hat man Ideen und Pläne, die aber im Alltag nicht den notwendigen Raum bzw. die entsprechende Priorität genießen. Man würde gerne etwas tun, macht es aber dann doch nicht. Da der Alltag nun plötzlich Einschränkungen unterlag, suchte ich in den eigenen vier Wänden neue Beschäftigungen für die gewonnene Zeit. Eine davon ist die Realisierung dieses Blogs.

Ganz automatisch verbringt man mehr Zeit und redet auch mehr miteinander. Daraus entstanden zum ersten Mal seit langem wieder grundsätzliche Gespräche hinsichtlich Gestaltung der Zukunft. Bietet sich hier die Chance, wieder etwas mehr Enthusiasmus und Dynamik in die eigene Beziehung zu bringen?

Digital Minimal – Konsolidierung

Auch in meinem virtuellen Leben versuche ich, die Dinge einfach zu halten. Es gibt keine doppelten Dateien, je nach Anwendungszweck nur eine Software sowie keine unterschiedlichen Ablageorte für ähnliche Daten. Beziehungsweise keine Ablageorte, die ich manuell aktuell halten müsste. Das passiert automatisch.

Alles auf einen Blick

Mein persönliches “Konzept” hat sich über Jahre entwickelt. Eines hatten aber alle Entwicklungen gemein: Es wurde immer weniger. Dabei habe ich keine tief verschachtelten Ordnerstrukturen. Es ist einfach nur vieles in den Papierkorb gewandert.

Einfach die schöne Aussicht genießen

Punkte?

Ich sammle keine Punkte. Und habe auch keine 0815-Card. In sozialen Netzwerken findet man weder mein Mittagessen noch ein Selfie. Die Gurke auf dem Cheeseburger einer bekannten Burger-Kette mag ich (den Rest dafür schon lange nicht mehr). Mit meinem Nicht-E-Bike fühle ich mich immer öfter als Exot. Sonntags shoppen gehen? Für mich noch weniger attraktiv als an Werktagen. All-inclusive-Urlaub in der Club-Anlage? Bitte nicht.

Ich bin anders. Nicht besser, nicht schlechter, sondern anders. Viele Dinge, an denen die Mehrheit der Menschen offenbar Gefallen findet sind für mich nicht erstrebenswert, lösen sogar eher belastende und ablehnende Emotionen in mir aus. Denke ich zu viel darüber nach?

Ja, vermutlich. Oft frage ich mich beispielsweise, warum Menschen über Stress und Zeitmangel klagen, aber gleichzeitig so viel Energie und Zeit für Dinge aufbringen, die diesen Zustand ganz objektiv gesehen eher noch steigern. An den bestehenden und belastenden Zuständen wird hingegen wenig bis gar nichts geändert.

Sich von lange gelebten Gewohnheiten zu trennen, aus alten Mustern auszubrechen, das ist nicht einfach. Aber ich glaube, der von mir eingeschlagene Weg ist gut für mich. Auch wenn ich anders bin.

Virtueller Bücherwurm

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Jeannine Klar, Sternzeichen Leseratte.

Wer gerne liest, weiß, wie schwer es ist, in seinem Bücherregal Minimalismus zu leben. Es muss immer neuer Stoff her. Und dieser Stoff braucht Platz. Zuerst in einem Bücherregal; bei mir dann irgendwann dort zweireihig stehend – und obenauf liegend, natürlich. Dann kommt der Tag, an dem ein Bücherregal nicht mehr genügt. Ein zweites muss her. Ach, was schreibe ich, eine eigene Bibliothek wäre toll! Aber leider kann sich nicht jeder Bücherwurm eine eigene kleine Privatbibliothek leisten. Meist mangelt es schlicht an Platz oder einem geeigneten Raum.

An dem Punkt, an dem mein in jeder Lücke befülltes Bücherregal kurz vor dem Umkippen stand, stellte sich die – damals für mich als eingefleischter Papierbücherleser schrecklich seelenlos klingende – Frage: Wäre ein e-Book-Reader eine Alternative? Ein einziges Gerät, das all meine Bücher vereint und gleichzeitig fast keinen physikalischen Platz wegnimmt. Das große platzfressende Bücherregal könnte weg, ich hätte nur noch ein materielles „Buch“, dessen Speicher groß genug ist, alle Geschichten zu vereinen, in die ich so gerne eintauche.

Obwohl ich mir anfangs nicht vorstellen konnte, wie es sein sollte, ohne den Geruch der Bücher, den Papierseiten zwischen meinen Fingern und dem mich erschreckenden (eigenen) Schatten auf den zu lesenden Zeilen, entschied ich mich nach langem Hin und Her dafür, dem digitalen Buch eine Chance zu geben. Nach nun mittlerweile jahrelangem Lesen auf einem e-Book-Reader, muss ich zugeben, dass dieser wirklich viele Vorteile bietet. Mein kleiner Reader ist fast immer in meiner Handtasche zu finden und so werden lange Fahrten oder Wartezeiten nie langweilig; auch die Lichtverhältnisse sind egal. Fast alles kann dem optimalen Lesevergnügen angepasst werden.

Aber hat sich mein Bücherregal minimiert oder ist es gar verschwunden? Nein, denn noch immer stehen dort zum einen die gebundenen Bücher, die man einfach nicht hergeben kann, weil sie zu schön sind oder zu teuer waren, die Bücher aus vergangenen Zeiten, deren Geschichten man einfach nicht missen möchte und natürlich das eine oder andere (geschenkte) Papierbuch, das gelesen werden will. Auch werde ich natürlich regelmäßig in Buchläden weiterhin schwach…

Zusätzlich hat sich nun aber auch mein digitaler Speicher mehr als gefüllt. Speicherplatz scheint unendlich zu sein und so wird jeder noch so miserable oder unnötige Bücherkauf, die vielen angefangenen, aber nie zu Ende gelesenen Bücher, Leseproben etc. gesammelt. Und gesammelt. Und gesammelt. Nun muss ich feststellen, dass ich meinem Ziel, nur noch wenige Bücher, die mir aber wirklich Freude bereiten und bereitet haben, und die ich mit wehenden Fahnen und schwärmerischen Worten gerne verleihe (oder gar nochmals kaufe, um sie zu verschenken), zu besitzen, nicht wirklich näher gekommen bin.

Mein e-Book-Reader ist keine minimalistische Antwort auf zu viele Meter einzelner Bücher. Er versteckt in einem minimalistischen Gewand einen riesigen Berg ungelesener Seiten. Warum meinen e-Book-Reader nicht einfach leerräumen und das nun zweite überquellende, lediglich virtuelle Bücherregal löschen? Aus demselben Grund wie beim ersten Regal, weil man Bücher nicht einfach wegschmeißt? Zeit für einen Selbstversuch!

Versichern mit Sinn

Aufgrund der Wichtigkeit und Individualität dieses Themas möchte ich eingangs noch einmal darauf hinweisen: Dieser Beitrag ist keine Handlungsempfehlung, er stellt lediglich meine Meinung zum Thema Versicherungen dar. Den notwendigen eigenen Versicherungsschutz muss und sollte jeder für sich selbst und/oder mit einem Berater bestimmen.

Immer wieder bin ich überrascht, wogegen man sich versichern kann. Ausfall der aufwendigen und kostspieligen Hochzeitsfeier, Fallenlassen des Smartphones, Beschädigung der Brille oder gegen schlechtes Wetter im Urlaub sind nur einige Beispiele. All das kostet natürlich viel Geld, Zeit und Aufwand.

Am Beispiel der Handy-Versicherung habe ich dann einmal für mich nachgerechnet: Eine Versicherung für ein zeitgemäßes Gerät liegt bei ca. 60 EUR im Jahr. Ich nutze seit 20 Jahren Mobiltelefone. In dieser Zeit habe ich einmal eines so fallenlassen, dass das Display beschädigt war. Die Reparaturkosten lagen bei unter 200 EUR. Dem stünden 1200 EUR Versicherungsbeiträge gegenüber. Natürlich ist diese Rechnung sehr einfach, aber mein persönliches Fazit muss lauten: Achte auf Deine Sachen, dann sparst Du Dir einen Haufen Geld und Ärger.

Also habe ich mir überlegt, was an persönlichem Versicherungsschutz (persönlich meint ohne Hausrat, Auto etc.) für mich notwendig ist. Die Liste ist erfreulich kurz ausgefallen:

  • Das gesetzliche Paket aus Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung, welches für mich als Angestellter ohnehin Pflicht ist
  • Privathaftpflichtversicherung
  • Auslandsreisekrankenversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung

Nicht wirklich notwendig, aber meiner Meinung nach sinnvoll:

  • Krankenzusatzversicherung

Durch diese Anzahl an Verträgen halten sich die Ausgaben trotz umfassendem Schutz in einem kleinen Rahmen.

Digital Minimal – Weniger Störungen

Auf gefühlt jedem Gerät verlangen App-, Browser- und anderweitige Benachrichtigungen nach unserer Aktion und Aufmerksamkeit. Meldungen, Einblendungen, Geräusche und kleine Symbole in den Benachrichtigungsbereichen, Sperrbildschirmen und Arbeitsbereichen. Im nicht virtuellen Bereich meines Lebens versuche ich, mir unnötig erscheinende Informationsflüsse soweit möglich zu vermeiden.

Auf meinem Smartphone darf beispielsweise so gut wie keine App Geräusche von sich geben oder meinen Sperrbildschirm mit Meldungen füllen. Das Höchstmaß der Gefühle ist es, einer App zu erlauben, einen kleinen Zähler für neue Nachrichten etc. auf dem Startbildschirm zu haben.

Diese Zähler sehe ich also nur, wenn ich das Gerät bewusst in die Hand nehme und es entsperre. Ich schaue auf mein Smartphone, wenn ich darauf schauen möchte. Nicht aber, wenn das Smartphone mich nahezu nötigt, auf selbiges zu schauen. Gleiches gilt z.B. auch für mein E-Mail-Programm. Kein Popup, keine Vorschau, kein kleiner Briefumschlag am Bildschirmrand.

Mit jeder unnötigen Information weniger kann man sich besser auf das fokussieren, was gerade wirklich wichtig ist.