Archiv für den Monat: Juli 2020

Pendeln – Veränderung der Routinen

Zwar stiegen in der Corona-Krise Akzeptanz und Verbreitung von Home Office deutlich an, dennoch werden die meisten von uns nicht um das Pendeln herumkommen. Viele Menschen empfinden Pendeln als Belastung, Zeitfresser und zusätzlichen Stress. Nicht zuletzt entstehen dadurch zusätzliche Kosten, Pendlerpauschale hin oder her. Was könnte man also unternehmen, um das Pendeln angenehmer zu gestalten und die Zeit sinnvoll zu nutzen?

Bis vor ungefähr drei Jahren war ich Bahnfahrer. Inklusive dem Fußweg zur Haltestelle dauerte die Fahrt ungefähr eine Dreiviertelstunde. Währenddessen habe ich die meiste Zeit Musik gehört, E-Mails und Nachrichten gelesen usw. Ein klassischer Berufspendler in der Bahn, immer an der gleichen Stelle wartend, einsteigend und sitzend. Und jemand, der kaum die Augen vom Bildschirm erhebt.

In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Warum also nicht einfach mit dem Fahrrad zur Arbeit? Wenn ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich ernsthaft, warum ich damit nicht früher angefangen habe. Aber besser spät als nie. Seit nunmehr über drei Jahren fahre ich regelmäßig morgens dreißig, mittags sechzig Minuten mit dem Rad. So komme ich auf gute neunzig Minuten Sport am jeweiligen Tag.

Und im Winter? Oder wenn es regnet? Kälte allein hält nur bedingt ab. Kälte und Wasser zugegeben schon eher. Hinzukommend hat man natürlich nicht immer die Motivation, sich auf den Drahtesel zu schwingen. Die Lösung ist in meinem Fall zum Glück sehr einfach: Zum Beispiel einfach zu Hause arbeiten. Gelegentlich bin ich auch mal Mitfahrer im Auto. Das kann ich mir immerhin noch dahingehend schönreden, als dass das Auto dann nicht nur eine Person befördert. Und während der Fahrt kann man sich unterhalten.

Mir ist klar, dass nicht jeder Pendler einfach aufs Fahrrad umsteigen kann. Dennoch, auch wenn es bei Bahn oder Auto bleibt, die Zeit kann genutzt werden. Im Auto sind die Möglichkeiten zugegebenermaßen stark eingeschränkt. Deswegen halte ich persönlich auch nur wenig davon, es jeden Tag für den Weg zur Arbeit zu benutzen.

Wunschkonzert der Gedanken

In den letzten Wochen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was ich gerne lernen würde, bzw. auf welchem Gebiet ich gerne mein Wissen vertiefen würde. Es gibt so viele Dinge die mich begeistern und interessieren. Dummerweise gibt es da aber ein Limit: Mich. Denn meine Aufnahmefähigkeit ist nun leider einmal ebenso begrenzt wie meine Zeit.

So habe ich beispielsweise im letzten Jahr viel Zeit damit verbracht, mir die Grundlagen des Italienischen anzueignen. Irgendwann wurde aber aus dem anfangs begeisterten Lernen eine als Belastung empfundene Verpflichtung. Es passte nicht mehr in meinen Alltag, und vor allem nicht mehr in meinen Kopf.

Ich fand das sehr schade, denn erste Erfolge in der Praxis während des letzten Aufenthalts in Italien haben mich wahnsinnig gefreut und motiviert. Dennoch konnte ich die Motivation und Priorität nicht aufrechterhalten. Aber weswegen?

Wahrscheinlich ist der Grund so naheliegend, dass ich ihn nicht wahrhaben wollte. Ich habe einen Denkberuf, höre viel Musik, sehe mir oft Fachvorträge und Dokumentationen an. Ist es eigentlich nicht etwas dämlich, seinem Kopf außer beim Sport nie eine Pause zu gönnen und sich dann noch zu wundern, dass er sich irgendwann selbst schützt?

Dabei gibt es so viele Themen, die mich interessieren und reizen. Von der italienischen Sprache über verschiedene Instrumente bis hin zu speziellen IT-Themen, Börse, Kochen und und und. Alles geht nun einmal nicht. Aber ich kann zumindest versuchen die Dinge, die mich eigentlich nicht wirklich interessieren oder weiterbringen (höchst subjektiv), aber meine Aufmerksamkeit fordern, zu vermeiden.

Also Reduktion an einer Stelle, um an der anderen Maximierung betreiben zu können? Gewissermaßen. Aber insgesamt doch eher Reduktion auf das für mich Wesentliche. Und damit einen Versuch wert. Also mache ich mir Gedanken über die Aktivitäten, die für mich mehr Zeitvertreib als Entspannung, Erfüllung oder Weiterbildung sind. Um genau diese dann wegzulassen.

Tipps zum Thema minimale Finanzen

Es gibt viele Gründe, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Vielleicht soll die monatliche Sparquote erhöht werden, weil man sich etwas Bestimmtes kaufen möchte. Oder man muss finanziell kürzer treten und ist gezwungen Einsparungen vorzunehmen. In diesem Artikel stelle ich meine persönlichen Maßnahmen und Schritte vor. Diese haben mir geholfen, Kosten zu senken und einen besseren Überblick über meine Finanzen zu haben.

Einzugsermächtigungen auflisten

Dieser Schritt ist zugegebenermaßen eine echte Sisyphusarbeit, welche nicht wirklich Spaß macht. Zumal mir keine Bank bekannt ist, die bestehende Einzugsermächtigungen für das eigene Konto auflistet. Ich bin daher die Kontoauszüge der letzten zwei Jahre durchgegangen, um eine vollständige Liste erstellen zu können. Bei Online-Bezahldiensten wie PayPal hingegen kann man oft eine Liste der zum Einzug berechtigten Firmen einsehen.

Eine Dokumentation erstellen

In meinem Fall ist diese Dokumentation eine digitale Tabellenkalkulation. Die Erfassung kann aber natürlich auch in Papierform erfolgen. Ich führe in dem Dokument verschiedene Listen. Dazu zählen meine monatlichen Fixkosten samt deren Zahlungsart sowie existierende Einzugsermächtigungen. Außerdem pflege ich dort eine Liste aller jährlichen Abbuchungen samt Terminen. Diese Dokumentation gehört zu den wichtigsten Dateien in meinem Datenbestand. Daher lege ich großen Wert auf eine sorgfältige Datensicherung.

Das richtige Konto finden

Da Banken mit überteuerten Dispositionskrediten und Gebühren meiner Meinung nach genug verdienen, möchte ich keine Kontoführungsgebühren zahlen. Noch gibt es zahlreiche Banken mit kostenlosen Girokonten zur Auswahl. Ein Wechsel der Bank ist zwar mit Aufwand verbunden, spart aber oft Geld und verbessert gleichzeitig die eigene Übersicht.

Zukünftige Wechsel erleichtern

Die Dokumentation allein beschleunigt einen zukünftigen Wechsel bereits erheblich. Zusätzlich zahle ich vor allem bei Käufen im Internet fast ausschließlich mit einem Bezahldienst, ich verwende aufgrund der großen Verbreitung PayPal. Ändert sich meine Bankverbindung erneut, muss diese nur dort aktualisiert werden. Das erspart mir bei jedem Shop, bei dem ich noch ein Konto besitze, die Zahlungsmethode anpassen zu müssen.

Viele Dienstleister bieten außerdem Kundenportale an. In diesen Kundenportalen können die eigenen Daten gepflegt werden. Ich kann so zum Beispiel bei all meinen Versicherungen online die Bankverbindung ändern. Das spart viele Briefe und Kommunikationsaufwand.

Die Versuchung des Konsums

Reduzierte Mehrwertsteuer, Sonderangebote, Rabattaktionen, Kundenkarten und haste-nicht-gesehen-Wochen sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Sollen anregen zu Konsum auf altem Niveau, vor der Corona-Krise. Ich komme mir vor, als würden von allen Seiten Hände an mir ziehen um mich dazu zu bewegen, irgendetwas anzuschaffen.

Die wachstumsorientierte Ökonomie hat es nicht mehr so leicht mit mir. Nicht mehr so leicht wie noch vor einigen Jahren. Fast könnte sie einem etwas leidtun. Aber sie hat es doch auch wirklich übertrieben. Und das über eine sehr lange Zeit. Immer mehr, in immer kürzeren Abständen. Immer neue Bedürfnisse im Kunden wecken, Probleme aufzeigen und Lösungen dafür präsentieren.

Nur gibt es da ein Problem mit den aufgezeigten Problemen. Denn sie sind für mich nahezu ausnahmslos keine Probleme. Mich stört es nicht, dass meine Wäsche nicht nach künstlicher Meeresfrische riecht. Daher verspüre ich nicht das Bedürfnis, irgendwelche Duftperlen in die Waschmaschine zu werfen. Immer neue Kreationen an Zahnpasta, die gefühlt dreihundertste Variante eines Produktes, welches schon in der Urfassung nicht schmeckt. Nein, ich brauche das alles einfach nicht.

Ich brauche es nicht nur nicht, ich möchte es auch nicht mehr. Weder meine Gedanken und Zeit noch mein Geld oder sonst irgendeine meiner Ressourcen möchte ich dafür aufwenden. Stattdessen erfreue ich mich an der neugewonnenen Einfachheit. Gleichzeitig bin ich erstaunt, wie wenig ich mir tatsächlich kaufe, wenn ich Kaufentscheidungen bewusst treffe.

Vertragsfreiheit

In Deutschland genießt man als Volljähriger Vertragsfreiheit. Ich bin kein Jurist, aus der Hüfte geschossen übersetze ich das Juristendeutsch für mich folgendermaßen: Wenn keine der Vertragsparteien damit gegen geltendes Recht verstößt, können beliebige Verträge abgeschlossen werden. Natürlich nur bei beidseitigem Einverständnis.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil meiner wirtschaftlichen Mündigkeit. Noch mündiger fühle ich mich allerdings ohne Verträge. Möglichst frei von Verpflichtungen. Vor allem frei von jenen, deren Eigenschaften und Vorgaben sich nicht von mir anpassen lassen. Das nenne ich Vertragsfreiheit.

Ein eher unbedeutendes, aber aussagekräftiges Beispiel: Für mein Handy nutze ich seit Jahren eine Prepaid-Karte. Zu Hochzeiten der Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Krise habe ich meinen Tarif abbestellt. Wenn ich im Urlaub bin, und meine Unterkunft z.B. kein vernünftiges WLAN bereitstellt, buche ich eben schnell etwas Datenvolumen dazu. Ein Tarif mit ein- oder gar zweijähriger Laufzeit ist für mich mittlerweile undenkbar.

Flexibilität und Reduktion machen gerade in unvorhersehbaren Situationen vieles leichter. Ein eigenes Auto ist schnell verkauft. Zum Beispiel bei einem Umzug in die Innenstadt. Oder bei Verlust der Beschäftigung. Ein Leasingwagen muss bezahlt werden. Auch dann, wenn ich ihn eigentlich gar nicht mehr nutze. Oder wenn er eigentlich gar nicht mehr in mein Leben passt.

Umgekehrt gibt es auch Verträge, die ich zwar monatlich kündigen könnte, aber seit vielen Jahren stetig bediene. Zum Beispiel zum Streamen von Musik. Bevor ich eine Verpflichtung eingehe, hinterfrage ich nicht nur die Konditionen, sondern auch die Verpflichtung selbst.

Digital Minimal – Kahlschlag

Wie in den letzten Beiträgen zum Thema digitaler Minimalismus beschrieben, habe ich in der Vergangenheit schon sehr viel von meinem System gelöscht. Auch kopiere ich nicht wahllos neue Inhalte auf mein System. Dennoch horte ich nach wie vor Daten. Da mich das selbst etwas nervt, habe ich mich zu einem Experiment entschlossen. Ich habe einfach meinen Rechner neu aufgesetzt. Da ich ein automatisiertes Backup verwende, konnte ich das sogar spontan tun.

Auf das neue System kommt nur das, was ich wirklich benötige. Wenn ich einen solchen Bedarf habe, stelle ich die entsprechenden Daten aus meinem Backup wieder her. Ich bin gespannt, was sich nach einigen Monaten wieder auf meinem System befindet. Ich vermute, es wird nicht besonders viel sein. In der ersten Woche war es neben meiner Passwortdatenbank eigentlich nur der Dokumente-Ordner (den ich bei der Gelegenheit auch noch einmal ausgemistet habe).

Aber welchen konkreten Nutzen hat man von einer solchen Aktion? In meinem Falle spielt der Gewinn an Speicherplatz nicht wirklich eine Rolle. Denn schon zuvor hatte ich den mir zur Verfügung stehenden Speicherplatz nicht annähernd gänzlich verwendet. Das System startet aber wieder deutlich schneller. Außerdem müssen seltener Aktualisierungen installiert werden, da einfach wieder weniger Software vorhanden ist.

Zu guter Letzt habe ich durch das beschriebene Vorgehen nun wirklich nur das, was ich benutze und benötige. Noch schnelleres Finden, denn von Suchen kann man endgültig nicht mehr sprechen, ist die Folge.