Archiv für den Monat: Oktober 2020

Corona und das Blattgold

Ich habe befürchtet, dass es mit Beginn des Herbstes schlimmer wird. Und nun ist es wieder soweit: Man bekommt kein Klopapier mehr. Oder wie ich es inzwischen nenne: Blattgold. Dies ist, das habe ich in diesem Jahr gelernt, die zuverlässigste Warnung in diesem Land. Nun geht es also wieder los, die Beschränkungen werden konsequenter und strenger. Und wieder stellt sich für jeden die Frage, wie man mit der Situation am besten umgeht.

Abseits der Tatsache, dass die Gesundheit meiner Mitmenschen (und meine eigene) absoluten Vorrang hat, habe ich mir vor allem zur eigenen wirtschaftlichen Situation Gedanken gemacht. Was wäre wenn? Zum Beispiel wenn die Wirtschaft sich so entwickelt, dass ich im kommenden Jahr arbeitslos werde? Kein schöner Gedanke.

Dennoch: Was mir hilft ist die Gewissheit, nicht viel zu brauchen. Wie viel Geld man ausgibt, und wie viel Geld man braucht, sind zwei vollkommen unterschiedliche Größen. Die zweite Größe habe ich auch in diesem Jahr weiter nach unten geschraubt. Das lässt mich besser schlafen. Wenn ich jetzt noch irgendwo Toilettenpapier bekommen könnte…

Warum in die Ferne schweifen?

Wo ich jetzt gerne wäre? Irgendwo in der Ferne, wo ich die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers bei wärmeren Temperaturen genießen kann. Ja, ich weiß, auch hier scheint die Sonne und auch hier kann sich der Herbst von seiner schönen Seite zeigen. Für den Spätsommer bin ich wohl Anfang Oktober sowieso zu spät dran, zumindest in Deutschland.

Da es im Moment nicht möglich ist, oder besser gesagt, ich für mich dieses Jahr entschieden habe, nicht in die Ferne zu schweifen, versuche ich das beste aus der Situation zu machen. Die Pfalz hat so viele schöne Ecken, die ich erst in diesem Jahr angefangen habe zu entdecken.

Bis es mir wieder möglich ist, in die Ferne zu schweifen, träume ich einfach weiterhin von der Ferne und meinem geliebten Frankreich. Dann hat es dieses Jahr halt nicht geklappt. Keine Angst, ich komme nächstes Jahr wieder, dann mit umso mehr Freude im Herzen.

Vielleicht macht Minimalismus auch manchmal aus, dass man sich auf die kleinen und schönen Dinge besinnen sollte, die momentan einfacher erreichbar sind. Angelehnt an die Redewendung „Lieben der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ frage ich mich: Warum also im Moment in die Ferne schweifen?

Wenn einfach nicht mehr alles in Butter ist…

Die Regale in unseren Supermärkten, für mich Sinnbild von Überversorgung und Überangebot. Immer neue Produkte, davon immer mehr, immer ähnlicher, immer austauschbarer. Muss das wirklich sein? Ist das wirklich noch erstrebenswert?

…oder man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Ich stehe also im Supermarkt und möchte Butter kaufen. Nein, nicht gesalzen. Besonders einfach zu streichen? Ist Butter doch auch, man muss sie nur rechtzeitig aus dem Kühlschrank holen. Fettreduziert & Leicht? Nein, Butter. Leichte Butter, wer denkt sich so etwas überhaupt aus?

Beim Kauf von Butter gilt es mittlerweile das Produkt zu finden, welches auch wirklich einfach nur Butter ist. Genauso ist es bei Milch. Oder bei Buttermilch. Da frage ich mich: Möchte das die Mehrheit der Menschen wirklich? Verbinden wirklich so viele Konsumenten diese für mich unsinnige Vielfalt, die am Ende doch keine ist, mit Lebensqualität und Freiheit?

Ein alljährliches Problem rückt näher

Das eigentlich verursachende Problem zuerst: Ich habe bald Geburtstag. Das ist an sich nicht schlimm, wird jedoch jedes Jahr zur Materialschlacht. Ein Luxusproblem, keine Frage. Denn mein Problem besteht nicht darin, dass man mir nicht genug materielle Dinge schenkt. Mein Problem ist, dass ich nicht wenig genug bekomme.

Seit Jahren wünsche ich mir immaterielle Dinge. Ein Abendessen, ein Treffen, eine gemeinsame Aktivität. Und wenn es doch etwas Materielles sein soll, sind es z.B. Verschleißteile fürs Fahrrad. Das sind meine Wünsche, diese Dinge bereiten mir Freude. Die vorherrschende Meinung in der Gesellschaft scheint aber zu sein, dass das nicht ausreicht. Zeit? Einfach zur Zeit? Oder Bremsbeläge fürs Rad? Das kann doch kein richtiges Geschenk sein. Doch, das ist es. Zeit ist für mich mit das Wertvollste, was man schenken kann. Oder Dinge, die ich wirklich brauche.

Was ich hier schreibe, ist nicht böse gemeint. Im Gegenteil. Ich freue mich, dass die Menschen in meinem Umfeld darüber nachdenken, wie sie mir eine Freude machen können. Aber ich frage mich, warum sie mir nicht glauben, wenn ich ihnen sage, womit sie mir eine Freude machen können. Bzw. warum sie glauben, Zeit alleine würde nicht reichen. Irgendwann komme ich dahinter. Vielleicht im nächsten Jahr?

Kopf frei

Betrifft Minimalismus nur die Reduktion von materiellen Dingen? Und betrifft Minimalismus nur den Verzicht auf Materielles? Kann Minimalismus nicht auch die Reduktion von unnötigem Gedankengut darstellen?

In letzter Zeit stelle ich vermehrt fest, dass mich zu viele Dinge beschäftigen. Ich kann nicht richtig abschalten und fühle mich wie im Hamsterrad. Die Zeit rast und ich versuche alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Teilweise sind das Verpflichtungen, die ich mir selbst auferlegt habe. Aber was ist so schlimm daran, einmal nichts zu tun und seine Gedanken einfach mal schweifen zu lassen?

Im Urlaub habe ich mir fest vorgenommen, mir wieder mehr Me-Time zu gönnen und bewusst auch mal nichts zu tun. Ich verpasse nichts, wenn ich mir mal nur Zeit für mich gönne.

Minimalismus kann meiner Meinung nach auch das bewusste Reduzieren von unnötigem Gedankengut sein. Der eigene Körper gibt einem schon die Signale, wann es Zeit hierfür ist.