Archiv für den Monat: November 2020

Black Friday Week? Nö.

Ich habe ja schon den Black Friday nicht verstanden. Die Black Friday Week, von der ich auf viel zu vielen Webseiten lesen muss, setzt dem noch die Krone auf. Nach Black Friday und Black Friday Week kommt nächstes Jahr vielleicht der Black Friday Month?

Was soll ich nicht alles kaufen. Rabatte hier, alles muss raus dort, haste nicht gesehen da. Dabei weiß ich, wie ich am meisten spare: Ich kaufe nichts. Eigentlich könnte man darüber lachen, wenn einem in einer Werbung für einen Konsumartikel gesagt wird, wieviel man dabei spart.

Ich fahre seit Jahren sehr gut mit der Einstellung, mir eine durch den Kopf spukende Anschaffung gründlich zu überlegen. Und wenn es dann tatsächlich soweit ist, liefert ein Preisvergleich ein günstiges Angebot. Davon gibt es heutzutage genug, jederzeit. Und wenn sich eine Anschaffung doch als Fehlkauf herausstellt (ich denke spontan an meine Smartwatch), gestehe ich mir das ein. Dann wird der Gegenstand verkauft oder verschenkt.

Mit diesem Konsumverhalten spare ich am meisten. Und zwar nicht nur Geld, sondern auch vor allem Zeit und Nerven.

Nein, ich bin auch nicht genervt

Da Thomas in seinem letzten Beitrag beschlossen hat, weniger genervt zu sein, greife ich das Thema doch gerne auf.

Ja, auch ich habe mich früher öfter dabei ertappt, unnötig genervt zu sein. Warum früher? Weil ich glaube, dass ich das „Problem“ mittlerweile gut im Griff habe und es mit der Gelassenheit zum Glück schon viel besser und öfter klappt.

Letzte Woche hatte ich morgens um 8 Uhr einen Termin. Ich quälte mich also seufzend durch den Berufsverkehr samt Baustellenampel und Busverkehr; zumindest war die Bahnschranke oben.

Immer wieder schaute ich zwischendurch auf die Uhr und wusste, dass ich zu spät kommen würde, egal was ich jetzt noch unternehmen würde. Aber dann stellte ich mir die Frage, die zu einem inneren Dialog führte:

„Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren könnte?“

„Ich komme 5 Minuten zu spät.“

„Und dann?“

„Ja, nix, und dann. Nix passiert.“

„Jo alla, dann stell dich hald nid so a Määd!“ [Anmerkung: Pfälzisch für “Na siehst du, also mach’ Dir doch nicht so viele Gedanken darum” 😉 ]

Wird es besser, wenn ich genervt oder unruhig bin? Ändert es etwas an den Umständen? Nein, tut es nicht.

Diesen inneren Monolog halte ich mittlerweile oft, wenn ich ungeduldig oder genervt bin. Ist es das wert? Verbessern sich die Situation bzw. die Umstände? In den meisten Fällen ist die Antwort: Nein. Und das beruhigt mich dann und bringt mich runter.

Nein, ich bin nicht genervt

Sehr oft denke ich mir, dass weniger mehr ist. Neuerdings möchte ich vor allem seltener genervt sein. Und da ich Herausforderungen mag, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wann ich offensichtlich unnötig genervt bin.

Zum Beispiel beim Warten in der Schlange an der Supermarktkasse. Manchmal kann man die Aggressivität und Anspannung der gesammelten Kundschaft buchstäblich fühlen. Da wird demonstrativ nach vorne und auf die Uhr geschaut, genervt aufgestöhnt und leise geschimpft. Zwar gehöre ich nicht zu den schimpfenden und fluchenden Kunden, aber ich bemerke meine Ungeduld.

Oder der Klassiker. Kaum zu toppen. Nahezu Folter für die Nerven: Die Bahn. Zwei Wörter, die meinen Puls bereits hochtreiben, selbst wenn ich gerade im Auto sitze. Apropos Auto: Warum bin ich eigentlich genervt, wenn bei erlaubtem Tempo 50 vor mir jemand nur 47 km/h fährt? Würde ich ausrechnen, wie viel Zeit ich verliere, während derjenige vor mir fährt, käme vermutlich allzu oft etwas lächerliches heraus.

In solchen Situationen bin ich ab sofort, das habe ich soeben beschlossen, nicht mehr genervt. So.

Schattenspiele

Eine andere Perspektive schafft andere Sichtweisen und Beurteilungen. Einfach mal über den eigenen Schatten springen. Manchmal ist es gar nicht schlecht, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. Eine andere Perspektive lässt einen die eigene Meinung zu bestimmten Dingen vielleicht überdenken. Oder man versteht einen Mitmenschen besser und kann auf ihn eingehen. Wir haben uns auch einmal anders gesehen. Und nebenbei einige der letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen dürfen.

Ich muss gar nichts – Druck minimieren

Ich muss heute Abend noch zum Sport, weil ich sonst nicht im Pensum bin. Egal, ob ich mir das Pensum selbst vorschreibe, oder ob von außen Druck aufgebaut wird. Dann hab ich halt Kopfschmerzen, bin erkältet und absolut nicht motiviert, aber ich sollte halt trotzdem gehen!

Ich muss mich mal wieder bei FreundIn xyz melden, weil es schon wieder 5 Wochen her ist.

Ich sollte unbedingt heute noch einkaufen gehen – auch wenn nicht alles dringend benötigt wird und ich noch locker 2 Tage über die Essensrunden komme.

Und zum krönenden Abschluss das Nonplusultra-Argument: Ich muss dieses oder jenes tun, weil sich das so gehört, weil das alle so machen und weil es immer schon so war!

Aber was, wenn ich darauf keine Lust habe? Was, wenn mir die – teils selbst – auferlegten Verpflichtungen Bauchschmerzen bereiten? Was, wenn ich mich einfach besser fühle, wenn ich einen Gang zurückschalte, in mich rein höre und ganz egoistisch sage, dass ich mal Fünfe gerade sein lasse?

Geht davon die Welt unter? Nein!

Es tut gut, die Worte „soll“ und „muss“ aus seinem Wortschatz zu streichen. Du bist gut und ausreichend, genau so, wie du bist. Und nein, man muss eben nicht immer 100 % geben.

Auch Druck und falsches Pflichtgefühl lassen sich minimieren.