Archiv für den Monat: Mai 2021

Trübe Tage

Das Aprilwetter zieht sich in den Mai, es ist abwechselnd warm und kalt, der Wind bläst und eigentlich hatte ich gehofft, die Tage schon jetzt am See ausklingen lassen zu können.

Da auch jetzt noch kein Alltag zu verzeichnen ist, versuche ich, meine Wochen mit festen Ankern zu strukturieren. Warum? Damit die Stunden, Tage und Wochen nicht nahtlos ineinander übergehen, und ich dem Alltag doch Besonderheiten abgewinnen kann. Anbei meine Liste, die der Flucht aus dem Einheitsbrei dient:

  • Das Frühstück bei einer Freundin, das fließend in Mittagessen und Abendbrot übergeht
  • Der Spaziergang in einer Wolken- und Regenpause
  • Die wöchentliche feste Yogastunde, in der ich immer weite Fortschritte beobachten kann
  • Das gute Buch abends, um den Tag abzuschließen
  • Die allabendlichen 5 Minuten, in denen ich den Tag Revue passieren lasse
  • Das selbst zubereitete Essen
  • Die Hoffnung, dass alles doch irgendwann wieder normal(er) wird

Und nun: Einige Gedanken – Teil 1

In meinem letzten Beitrag Und nun? habe ich die Frage thematisiert, wie ich auf dem Weg zu meinem persönlichen Minimalismus weitermache. Ziel ist dabei eigentlich nicht der Minimalismus selbst. Vielmehr geht es mir darum, mein Leben auf das für mich Wesentliche zu reduzieren. Mit dem Ziel, für das Wesentliche wiederum mehr Zeit und Ressourcen zu haben. So gesehen ist die Reduktion eher Mittel zum Zweck.

Wesentlich, das kann vieles sein. Bestimmte materielle Besitztümer gehören sicher auch dazu. Viel bedeutender sind aber bestimmte Menschen, gewisse Momente und Erinnerungen, Gesundheit etc. All das ist wichtiger, als Geld, Besitz oder Karriere. Logische Konsequenz wäre jetzt ja eigentlich, an den zur Verfügung stehenden Stellschrauben zu drehen.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass vieles ineinandergreift. Zum Beispiel kann man nicht in jedem Beruf einfach einmal ein paar Wochen Auszeit machen um z.B. eine lange Reise zu unternehmen. Manche Menschen haben auch bestimmte, zunächst einfach erscheinende Wünsche (ich habe auch so einen: Ich möchte einmal Polarlichter sehen). Bei genauerer Betrachtung stellt sich dann aber heraus, dass es zur Erfüllung zwar wenig Besitz, aber viel Geld und Zeit braucht.

Ich weiß, dass ich definitiv nie der Mensch sein werde, der seine Besitztümer zählt und grundsätzlich jeden Konsum verweigert. Ich konsumiere für mich an sich gerne, jedoch geht einer Kaufentscheidung eben eine Reihe von Überlegungen und Abwägungen voraus. Und ich habe mir Kaufen als Ablenkung von Stress und Frust abgewöhnt. Meine Überlegungen führen mich weg von diesen Gedanken. Hier habe ich, so glaube ich jedenfalls, den für mich passenden Weg gefunden. Kein Kaufen aufgrund von Stress oder Frust, sondern Schritte gegen Stress und Frust unternehmen.

Aktuell gehen meine Überlegungen eher in die Richtung meiner mentalen Kapazität. Was darf wieviel Raum in meinem Bewusstsein einnehmen? Bezüglich meiner Arbeit bin ich in der eigentlich beneidenswerten Situation, das weitestgehend selbst steuern oder zumindest beeinflussen zu können. Es bedarf an dieser Stelle “nur” etwas Disziplin und Konsequenz. Das gelingt zugegeben mal besser, mal schlechter. Zwar ist vieles derzeit nicht möglich, aber vermutlich ist gerade ein guter Zeitpunkt eingetreten, sich über die Prioritäten der kommenden Monate und Jahre Gedanken zu machen. In meinem “Und nun?” bin ich damit zwar nur in der Theorie einen Schritt weiter. Aber ich habe es ja zum Glück auch nicht allzu eilig.

Und nun?

Wer diesen Blog schon etwas länger verfolgt, hat sicher mitbekommen, dass viele Beiträge sich auf die Reduktion von materiellem Besitz und mehr Struktur in Verträgen, Versicherungen etc. bezogen haben. Irgendwann ist sicher einmal ein Punkt erreicht, an dem man in dieser Hinsicht – für sich selbst – keinen großen Bedarf mehr sieht.

Tatsächlich besitze ich eigentlich nichts mehr, was ich nicht benutze. Ich bezahle auch für nichts, was ich nicht nutze. Im Gegenteil, ich habe neulich eine Zeitschrift abonniert. Ach du Schreck, gleich mit Abo? Ja, ich muss sogar gestehen, auf eine Werbung reagiert zu haben. Aber es ist immerhin eine Zeitschrift, die ich sowieso oft und gerne lese. Von daher freue ich mich und bin auch sicher, dass die Hefte nicht ungelesen auf einem Stapel verstauben werden. Und falls doch, wird gekündigt. In dieser Hinsicht würde ich mich mittlerweile als Routinier bezeichnen.

Nun stellt sich mir schon seit längerer Zeit die Frage: Wie mache ich weiter? Wobei das eigentlich falsch formuliert ist. Ich verfolge kein Projekt. Auch kein bestimmtes Ziel. Eigentlich möchte ich nur allgemein zufriedener und glücklicher sein. Die Abschaffung nicht relevanter Dinge und Verpflichtungen ist ein Teil davon. Und bringt mir den notwendigen mentalen Freiraum, mir über weitere Schritte für mich selbst Gedanken zu machen.

Licht und Schatten

Frische Luft und die letzten Sonnenstrahlen am Abend – Eine schöne Art, den Tag ausklingen zu lassen

Das Thema Corona-Blues hatten wir hier schon öfter. Zugegeben, ich kann mich selbst nicht mehr jammern hören. Also ist das doch vielleicht ein guter Zeitpunkt, mit einer anderen Einstellungen an die Sache heranzugehen. Oh, gehen. Gute Idee. Ich war in den letzten Wochen so oft spazieren wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Es entwickelt sich sogar die eigentlich tolle Gewohnheit, nach dem Abendessen direkt die Schuhe anzuziehen, und eine Runde zu gehen. Diese Runde kann mal nur um den erweiterten Block führen, oder auch ein paar Kilometer lang sein. Je nach Wetter, Lust und Laune.

Ist ein abendlicher Spaziergang nun eine große Neuerung im Leben? Das nun nicht so direkt. Aber es hilft merklich, den Arbeitstag zu Hause ausklingen zu lassen, die fehlende Bewegung auszugleichen und einen auf andere Gedanken zu bringen. Vor allem letzteres ist mir in den letzten Tagen sehr wichtig.

Ich möchte nicht, dass meine Tage komplett von Dauerberieselung mit den neuesten Horror-Meldungen und Einschränkungen dominiert werden. Die “Ritualrunde” schafft immer öfter einen positiven Impuls. Und beweist für mich wieder einmal: Es braucht nicht viel, um zufrieden einzuschlafen.