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Warum in die Ferne schweifen?

Wo ich jetzt gerne wäre? Irgendwo in der Ferne, wo ich die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers bei wärmeren Temperaturen genießen kann. Ja, ich weiß, auch hier scheint die Sonne und auch hier kann sich der Herbst von seiner schönen Seite zeigen. Für den Spätsommer bin ich wohl Anfang Oktober sowieso zu spät dran, zumindest in Deutschland.

Da es im Moment nicht möglich ist, oder besser gesagt, ich für mich dieses Jahr entschieden habe, nicht in die Ferne zu schweifen, versuche ich das beste aus der Situation zu machen. Die Pfalz hat so viele schöne Ecken, die ich erst in diesem Jahr angefangen habe zu entdecken.

Bis es mir wieder möglich ist, in die Ferne zu schweifen, träume ich einfach weiterhin von der Ferne und meinem geliebten Frankreich. Dann hat es dieses Jahr halt nicht geklappt. Keine Angst, ich komme nächstes Jahr wieder, dann mit umso mehr Freude im Herzen.

Vielleicht macht Minimalismus auch manchmal aus, dass man sich auf die kleinen und schönen Dinge besinnen sollte, die momentan einfacher erreichbar sind. Angelehnt an die Redewendung „Lieben der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ frage ich mich: Warum also im Moment in die Ferne schweifen?

Kopf frei

Betrifft Minimalismus nur die Reduktion von materiellen Dingen? Und betrifft Minimalismus nur den Verzicht auf Materielles? Kann Minimalismus nicht auch die Reduktion von unnötigem Gedankengut darstellen?

In letzter Zeit stelle ich vermehrt fest, dass mich zu viele Dinge beschäftigen. Ich kann nicht richtig abschalten und fühle mich wie im Hamsterrad. Die Zeit rast und ich versuche alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Teilweise sind das Verpflichtungen, die ich mir selbst auferlegt habe. Aber was ist so schlimm daran, einmal nichts zu tun und seine Gedanken einfach mal schweifen zu lassen?

Im Urlaub habe ich mir fest vorgenommen, mir wieder mehr Me-Time zu gönnen und bewusst auch mal nichts zu tun. Ich verpasse nichts, wenn ich mir mal nur Zeit für mich gönne.

Minimalismus kann meiner Meinung nach auch das bewusste Reduzieren von unnötigem Gedankengut sein. Der eigene Körper gibt einem schon die Signale, wann es Zeit hierfür ist.

Es wird Herbst. Und dunkel – Teil II

Der goldene Herbst kommt. Das Laub färbt sich bunt, und gerade die Pfalz zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Bunte Weinberge, nebelverhangene Landschaften, Kastanien, Kürbissaison, (neuer) Wein, Zeit für lange Wanderungen und Spaziergänge.

Nur schade, dass sich das Wetter in den letzten Tagen doch nicht in bester Postkartenmotivmanier gezeigt hat. Es ist kalt, regnerisch, düster und ich bin nicht fit.

Vielleicht hilft es mir aber, wenn ich mich Thomas‘ Vorsatz anschließe und versuche, mich von der dunklen Jahreszeit nicht runterziehen zu lassen. Das schlechte Wetter wurde genutzt, um die aufgeschobenen Aufgaben abhaken zu können. Und die Tage, an denen es doch noch schön wird, werde ich nutzen, um in der Natur zu sein und doch ein wenig von diesem goldenen Herbst mitzubekommen.

Meine liebste Jahreszeit wird der Herbst nie sein, aber im Vergleich zum Sommer hat es jede Jahreszeit bei mir schwer. Aber bevor ich den endgültigen Herbstblues bekomme, versuche ich das Beste aus ihr zu machen.

Prokrastination

Morgens 06:30 Uhr, der Wecker klingelt. Da es Sommer ist, komme ich verhältnismäßig gut aus dem Bett. Das Essen für die Arbeit (heute kein Homeoffice) ist schnell zubereitet, währenddessen ist auch schon der Kaffee fertig. Ich liege gut in der Zeit, gönne mir noch einen zweiten Kaffee, lese sinnlose Onlineartikel und räume auf, was am Vortag liegengeblieben ist, weil ich ja so gut in der Zeit liege. Upps, ich liege wohl doch nicht mehr so gut in der Zeit, war noch nicht im Bad und der Kaffee für die Fahrt wollte doch auch noch gebrüht werden. HILFE! Trödeln kann ich!

Die nächste Hausarbeit steht an, 8 Wochen Bearbeitungszeit, easy! Ganz gemütlich sammle ich Quellen, erstelle eine erste grobe Gliederung, mache mich an die theoretischen Grundlagen. Läuft! Jetzt wird sich der Hauptteil ja eh von selbst schreiben, hat er ja schon früher immer gemacht. Nicht. Egal, jetzt muss ich mich erstmal wichtigeren Dingen widmen: Das gesamte Internet lesen, Pi auswendig lernen, Serien suchten, mich bei 35 Grad über Wintermäntel informieren, Textmarker farbig sortieren und überhaupt. Wie? Abgabe in 8 Stunden und nicht mehr in 8 Wochen?!

Ist der rote Faden erkennbar? Vielleicht kann es ja auch eine Form des Minimalismus‘ sein, auf hausgemachten Stress zu verzichten?

Ein Glas Wein mit Thomas

Nachdem Thomas den Start gemacht hat, bin ich jetzt dran, seine Fragen zum Thema Minimalismus zu beantworten. Hier also der zweite Teil unserer Fragerunde:

Nehmen wir an, wir wären endgültig reif für die Insel. Und wir dürften nur 5 Dinge mitnehmen. Was hättest du im Gepäck? 

  1. Sonnencreme, da ich alle Hoffnungen in eine Südseeinsel setze
  2. Eine Kopfbedeckung
  3. Bücher (Ich hoffe, dass das nur als ein Gegenstand zählt, siehe die dritte Frage)
  4. Ein Radio (Ich werde ja wohl bitte Empfang haben!)
  5. Eine super-duper Multifunktionsdecke (Nachts wird’s kalt und tagsüber wird sie zur Hängematte umfunktioniert. Gibt es so etwas schon?)

Und ja ich weiß, eigentlich sollte man eher an praktische Dinge denken: Verbandskasten, Erste-Hilfe-Set, Medikamentenvorrat, Wasser etc. Da ich aber glaube, dass ich nie unbeabsichtigt auf einer einsamen Insel landen werde, macht meine Liste für mich Sinn. Und ja, das Smartphone bleibt daheim.

Es gibt viele Dinge die wichtiger sind als Geld oder materieller Besitz. Welche Dinge sind das bei Dir? 

Gesundheit. Ist – glaube ich – selbsterklärend.

Weniger ist mehr, das liest und hört man oft. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Wo ist bei dir mehr einfach mehr?

Bücher, noch und nöcher! Ich weiß, dass E-Book-Reader eine tolle Sache sind und so einige Vorteile bieten. Sie sparen Platz und Gewicht, Bücher sind innerhalb von Sekunden verfügbar, Helligkeit und Schriftgröße lassen sich einstellen und und und.

ABER: Ich persönlich bevorzuge das gedruckte Wort: das Knacken, wenn man das erste Mal ein Buch aufschlägt, die Haptik, die schwarze Spur, die die Druckerschwärze an den Fingerspitzen hinterlässt, das Ein- und Umsortieren von Büchern in meinem Regal, *seufz*. Ich bin dann mal weg.

Der Weg ist das (Bildungs)ziel

Wirft man einen Blick auf seine regelmäßigen Ausgaben, so behaupte ich, dass es bei den meisten Menschen in etwa die gleichen Positionen sind, die hierbei die größten Posten bilden: Miete oder Ratenzahlung(en) für die eigene Immobilie, Spritkosten oder ÖPNV-Ticket, Lebensmittel und Versicherungen. Hierzu kommen dann noch weitere Ausgaben für Freizeitaktivitäten, Kleidung, Unterhaltung(selektronik) und Sonstiges.

Ich glaube, dass ich selbst recht sparsam lebe. Meine Miete liegt entgegen der allgemeinen Wohnmarktsituation im normalen Bereich, ich versuche unnötige Fahrten mit dem Auto zu vermeiden, die Fahrten zur Arbeit entfallen dank schon zweimonatigem Homeoffice und an Versicherungen habe ich, was für mich persönlich nötig und sinnvoll erscheint.

Trotz meiner Sparsamkeit belastet eine größere Position monatlich mein Konto, mich selbst belastet die Summe jedoch nicht. Seit 2015 absolviere ich ein Fernstudium. Angestrebter Abschluss? Bachelor of Arts in International Business Communication. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin absolviert. Nach wie vor arbeite ich gerne ganz klassisch im Büro und habe hierbei fremdsprachliche Aufgaben. Aber war das schon alles? Für mich nicht. Einmal die Berufsluft geschnuppert, war es für mich jedoch keine Option mehr, an die Uni zu gehen. Wie also weiterhin an der Karriere schrauben und weiterhin Geld verdienen? Per Fernstudium!


Zwischendurch gab es einige Rückschläge, aber wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel (Memo an mich: 5 Euro ins Phrasenschwein). Wenn ich nach einem langen Arbeitstag noch mal an den Rechner muss, oder bei schönem Wetter nichts unternehmen kann, dann versuche ich immer im Hinterkopf zu haben, dass ich schon den größten Teil des Weges gegangen bin. Noch 2 Hausarbeiten, 1 Projektbericht und die Bachelorarbeit.


Im Moment fällt es mir wieder etwas schwerer mich zu motivieren. Das liegt wohl aber eher daran, dass ich immer noch versuche, das aktuelle Pandemiechaos zu begreifen.

Zum Glück sind diese Durststrecken immer nur von geringer Dauer und am Ende weiß ich aber immer, dass ich die Strapazen für mich aufgenommen habe und dass sie sich lohnen, da man nie genug in Bildung investieren kann.

Kleider machen Leute

Während meiner nun fast zehnjährigen Berufstätigkeit hatte ich schon ein paar Jobwechsel. Ich bin zwar kein Freund großer Veränderungen, aber manchmal muss man doch über seinen eigenen Schatten springen, um sich wieder wohlzufühlen.

Entsprechend des beruflichen Werdegangs musste auch die Garderobe angepasst werden. Nach der Ausbildung wäre es wohl sehr unprofessionell gewesen, mit einer eher gediegenen Freizeitgarderobe (ja, damals war ich noch in dem Alter, in dem bauchfrei zumindest in der Freizeit im wahrsten Sinne des Wortes passend und auch möglich war) zur Arbeit zu erscheinen.

Im Laufe der Jahre wurde so zunächst ein Bestand an Arbeitskleidung angelegt und die Freizeitkleidung wurde auch immer mal wieder ausgetauscht. Am Anfang waren beide Bestände noch gut austauschbar; Freizeitkleidung konnte zur Arbeit angezogen werden und umgekehrt. Mittlerweile hat sich das gewandelt. Klar, ziehe ich gerne Blusen und Stöckelschuhe an, aber im Sommer, z. B. für eine Radtour, wäre das dann doch zu viel des Guten. Apropos Stöckelschuhe: Zu den Outfits mussten natürlich auch noch passende Taschen und das passende Schuhwerk angeschafft werden.

Es ist ein schönes Gefühl, sich etwas zu gönnen, schöne Kleidung auszusuchen und diese zum ersten Mal zu tragen. Aber reicht es nicht auch, ein Kleidungsstück zu haben, dass zwar nicht mehr fabrikneu, aber dafür für einen selbst neu ist? Immer mehr Kleidungsstücke sind darauf ausgelegt, so billig und günstig wie möglich zu sein und nach wenigem mehrmaligen Tragen im Müll zu landen. Muss das sein? Seit ich diese Erkenntnis verinnerlicht habe, bin ich aufmerksamer beim Kleiderkauf. Brauche ich dieses Kleidungsstück wirklich neu oder reicht es, wenn ich es secondhand kaufe? Es gibt mittlerweile unzählige online- und vor Ort-Angebote, um alte Kleider neu zu kaufen. Und teilweise sind diese noch nicht mal gebraucht, sondern werden neu, mit Originaletikett versehen, weiterverkauft.

Auch als einzelne Person sollte man nicht denken, dass man nichts beitragen kann. Jeder kann auf seine Art und Weise dazu beitragen, mit Dingen achtsamer umzugehen. Und wenn es nur ist, dass Kleidung secondhand gekauft wird und nicht als Wegwerfprodukt angesehen wird. So gelangen weniger Kleider in Umlauf und Ressourcen werden geschont. Wahrscheinlich ist das nicht mal minimalistisch im engeren Sinne, aber zumindest wird so weniger verschwendet. Ich reduziere für mich den Stock an neuer Kleidung, Kleidung wird nur noch angeschafft, wenn dafür ein anderes Kleidungsteil aussortiert werden kann. Ist dieses noch gut, wird es entweder weiterverkauft oder wird zur Kleiderkammer gebracht. Wenn ich selbst keine Wegwerfkleidung kaufe, muss ich die Stücke, die ich schon besitze, nicht als solche behandeln.

Wer hier schreibt – Teil II – das weibliche Pendant

„Hast du Lust auf einen Blog zum Thema Minimalismus?“ So erklärt sich in einem einfachen, als Frage formulierten Satz, wie ich beim Schreiben zum Thema Minimalismus gelandet bin. Da mein Blogschreibergegenstück nicht nur minimal, sondern auch liberal ist, darf ich mich vollkommen unerfahren nicht nur beim Verfassen von Texten, sondern auch direkt beim REGELMÄSSIGEN Verfassen von Texten versuchen. Als Grundschülerin wollte ich immer Autorin werden. Dann bin ich wohl doch mit einigen Umwegen bei meinem Ziel angekommen.

Notgedrungen war das Thema Minimalismus schon immer Teil meines Lebens. In meinem Fall hatte Minimalismus lange eine finanzielle Ursache und der Verzicht auf Konsum war der Tatsache geschuldet, dass meine Familie finanziell eher zur unteren Mittelschicht gehörte. Uns hat es nie an irgendetwas gefehlt, aber große Sprünge oder gar verschwenderische Ausgaben waren nie möglich und jetzt mit dem nötigen Abstand betrachtet im Nachhinein auch nie nötig.

Nach dem Abi und meiner Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin konnte ich mir dann aber Schritt für Schritt selbst Dinge leisten, die teilweise auch recht unnötig waren. Warum? Weil ich es endlich konnte. Ging es mir dadurch besser? Nein.

Ich war noch nie ein Freund großer Veränderungen und tue mir damit nach wie vor unfassbar schwer, aber vor drei Jahren musste ich bei Null anfangen, mein Leben wieder neu ordnen und lernen, erneut auf eigenen Beinen zu stehen – auch finanziell. Und nachdem ich mich so langsam aber sicher freigeschwommen hatte, gab es vor einem Jahr wieder einen großen Einschnitt in meinem Leben. Von einem Tag auf den anderen hatte sich so viel geändert, nichts war mehr wie vorher, aber ich habe gelernt, dass Geld und materielle Dinge nicht alles sind. Man – oder besser gesagt ICH – brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Ich befinde mich nach wie vor in einem ständigen Lernprozess, während dem ich die kleinen Dinge wertschätze. Mal gibt es gute und mal schlechte Tage, aber alles in allem geht es stets bergauf, und für diese Aufwärtsbewegung brauche ich keine materiellen Dinge mehr.