Archiv der Kategorie: Minimalismus

Alles rund um das Thema Minimalismus und Reduktion.

Achtsamkeit

Vielleicht kommt es nur mir so vor, aber seit das große C begonnen hat, schwirren unzählige Schlagworte durch die Medien und gelangen immer weiter in den Sprachgebrauch. Das sind solche Klassiker wie Work-Life-Balance, Ausgeglichenheit, Me Time und allem voran Achtsamkeit.

Überall wird propagiert – was ich prinzipiell ja auch sehr gut finde – dass man auf sich, seinen Körper und auch seine Umgebung achten soll.

Ich hatte schon Phasen, in denen es besser geklappt hat, auf mich selbst zu achten. Ich schwinge große Reden dazu, dass man auf sich achten soll, Arbeit und Privatleben trennen und sich Auszeiten nehmen soll. In letzter Zeit bemerke ich aber immer öfter, dass mir zwar bewusst ist, wie wichtig Achtsamkeit und Auszeiten für einen selbst und das Wohlbefinden sind, ich es aber nicht umsetze. Alles ist auf einmal wichtig, die Zeit für mich wird gekürzt, verschoben oder fällt gar aus, denn irgendwas ist immer.

Am Wochenende habe ich mich über dieses Hamsterrad mit meinem Co-Autor ausgetauscht. Seine Antwort auf meine fehlende Achtsamkeit: Irgendwas ist immer, es gibt gerade im Berufsleben immer Aufgaben, die aus welchen Gründen auch immer, dringlich sind und Priorität haben. Ist die eine Arbeit erledigt, folgt direkt die nächste, die ebenfalls direkt erledigt werden muss.

Und das war die nötige objektive Sicht von außen, die mich zum Umdenken gebracht hat. Da der Berg nicht kleiner wird, die Arbeiten am nächsten Tag immer noch auf mich warten und sich auch das Hamsterrad kontinuierlich weiterdrehen wird, war diese Woche geprägt von viel Zeit, nur für mich: Sport, Schwimmen, Lesen, Fernstudium…

Danke

Wachstumsökonomie vs. Qualität

Kennt ihr diese Gegenstände für die Ewigkeit? Die Schraubendreher, die man beim Auszug von seinen Eltern bekommen hat, und die man immer noch besitzt und gerne benutzt, weil sie maßhaltig und hochwertig sind? Oder irgendwelche Geräte aus den 70ern (diese Farben…) wie Handrührgeräte oder Stabmixer, die einfach nicht kaputt gehen?

Leider stirbt diese “Art” von Gegenständen aus. Die oft genannte Obsoleszenz. Mir scheint es so, als ob vor einigen Dekaden noch die Auffassung herrschte, dass ein hochwertiges, lange verwendetes Produkt eine hohe Kundenbindung erzeugt, und der Kunde sich dann gar nicht erst woanders umschaut, sondern gleich wieder zum Produkt des gleichen Herstellers greift. Zugegeben eine eher langwierige, aber nachhaltige Angelegenheit.

Und heute? Heute ärgere ich mich über Gegenstände, die nach kurzer Zeit der typischen Nutzung (Kabelbruch beim Staubsauger – wer zieht denn seinen Staubsauger nicht hinter sich her und damit das Kabel aus?) aufgrund unterdimensionierter Festigkeiten und Materialgüte den Dienst quittieren. Natürlich nicht, weil die Hersteller es nicht besser könnten (konnten viele ja mal). Sondern weil sie es nicht wollen.

Als Schlussfolgerung steht Qualität einer Wachstumsökonomie im Weg. Parallel dazu diskutieren Politik und Gesellschaft über Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Da es hier aber nach wie vor nicht um Politik gehen soll, beschränke ich mich auf meine notwendige Tätigkeit: Die Perlen finden, die es bestimmt hier und da noch gibt.

Und nun: Die Selbstoptimierung, die keine sein möchte

Ich stöbere, den verrückten letzten Monaten sei Dank sollte ich wohl sagen stöberte gerne in Buchhandlungen, und zwar in den Regalen mit Ratgebern. Anfangs deswegen, weil mich so viele Themen interessiert haben, auch bezüglich eigener Schwächen und von mir erachteten Notwendigkeiten der Verbesserung. Mittlerweile bin ich aber auch davon fasziniert, was man alles im Leben “falsch” machen kann.

Die Ernährung, die Schlafgewohnheiten, von Sport und Beruf ganz zu schweigen. Auch die Beziehung, die Finanzen, die Erziehung der eigenen Kinder und der eigene Garten. Es gibt nichts, wozu es nicht auch Ratgeber gibt. Ich kaufe mir solche Bücher schon längere Zeit nicht mehr, vor allem weil ich der Überzeugung bin, dass viele Dinge nicht pauschal optimiert werden können.

Dennoch beschäftige ich mich gerade mit einem Thema, welches geradezu prädestiniert ist für solche Bücher: Erfüllt sein. Welch ein tolles Thema. In Gedanken sehe ich die üblichen Verdächtigen vor mir. “In xy Schritten glücklicher” und so weiter. Also war ich auf der Suche nach einem Ratgeber, der kein Ratgeber ist, nach einer Selbstoptimierung, die keine sein möchte. Wie kann das gehen?

Einen Tipp erhielt ich durch meine geschätzte Co-Autorin Jennifer. Eine Art Tagebuch zur Selbstreflektion. Ich schreibe mir meinen Ratgeber also einfach selbst. Und bin schon jetzt sehr gespannt.

Und nun: Einige Gedanken – Teil 1

In meinem letzten Beitrag Und nun? habe ich die Frage thematisiert, wie ich auf dem Weg zu meinem persönlichen Minimalismus weitermache. Ziel ist dabei eigentlich nicht der Minimalismus selbst. Vielmehr geht es mir darum, mein Leben auf das für mich Wesentliche zu reduzieren. Mit dem Ziel, für das Wesentliche wiederum mehr Zeit und Ressourcen zu haben. So gesehen ist die Reduktion eher Mittel zum Zweck.

Wesentlich, das kann vieles sein. Bestimmte materielle Besitztümer gehören sicher auch dazu. Viel bedeutender sind aber bestimmte Menschen, gewisse Momente und Erinnerungen, Gesundheit etc. All das ist wichtiger, als Geld, Besitz oder Karriere. Logische Konsequenz wäre jetzt ja eigentlich, an den zur Verfügung stehenden Stellschrauben zu drehen.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass vieles ineinandergreift. Zum Beispiel kann man nicht in jedem Beruf einfach einmal ein paar Wochen Auszeit machen um z.B. eine lange Reise zu unternehmen. Manche Menschen haben auch bestimmte, zunächst einfach erscheinende Wünsche (ich habe auch so einen: Ich möchte einmal Polarlichter sehen). Bei genauerer Betrachtung stellt sich dann aber heraus, dass es zur Erfüllung zwar wenig Besitz, aber viel Geld und Zeit braucht.

Ich weiß, dass ich definitiv nie der Mensch sein werde, der seine Besitztümer zählt und grundsätzlich jeden Konsum verweigert. Ich konsumiere für mich an sich gerne, jedoch geht einer Kaufentscheidung eben eine Reihe von Überlegungen und Abwägungen voraus. Und ich habe mir Kaufen als Ablenkung von Stress und Frust abgewöhnt. Meine Überlegungen führen mich weg von diesen Gedanken. Hier habe ich, so glaube ich jedenfalls, den für mich passenden Weg gefunden. Kein Kaufen aufgrund von Stress oder Frust, sondern Schritte gegen Stress und Frust unternehmen.

Aktuell gehen meine Überlegungen eher in die Richtung meiner mentalen Kapazität. Was darf wieviel Raum in meinem Bewusstsein einnehmen? Bezüglich meiner Arbeit bin ich in der eigentlich beneidenswerten Situation, das weitestgehend selbst steuern oder zumindest beeinflussen zu können. Es bedarf an dieser Stelle “nur” etwas Disziplin und Konsequenz. Das gelingt zugegeben mal besser, mal schlechter. Zwar ist vieles derzeit nicht möglich, aber vermutlich ist gerade ein guter Zeitpunkt eingetreten, sich über die Prioritäten der kommenden Monate und Jahre Gedanken zu machen. In meinem “Und nun?” bin ich damit zwar nur in der Theorie einen Schritt weiter. Aber ich habe es ja zum Glück auch nicht allzu eilig.

Und nun?

Wer diesen Blog schon etwas länger verfolgt, hat sicher mitbekommen, dass viele Beiträge sich auf die Reduktion von materiellem Besitz und mehr Struktur in Verträgen, Versicherungen etc. bezogen haben. Irgendwann ist sicher einmal ein Punkt erreicht, an dem man in dieser Hinsicht – für sich selbst – keinen großen Bedarf mehr sieht.

Tatsächlich besitze ich eigentlich nichts mehr, was ich nicht benutze. Ich bezahle auch für nichts, was ich nicht nutze. Im Gegenteil, ich habe neulich eine Zeitschrift abonniert. Ach du Schreck, gleich mit Abo? Ja, ich muss sogar gestehen, auf eine Werbung reagiert zu haben. Aber es ist immerhin eine Zeitschrift, die ich sowieso oft und gerne lese. Von daher freue ich mich und bin auch sicher, dass die Hefte nicht ungelesen auf einem Stapel verstauben werden. Und falls doch, wird gekündigt. In dieser Hinsicht würde ich mich mittlerweile als Routinier bezeichnen.

Nun stellt sich mir schon seit längerer Zeit die Frage: Wie mache ich weiter? Wobei das eigentlich falsch formuliert ist. Ich verfolge kein Projekt. Auch kein bestimmtes Ziel. Eigentlich möchte ich nur allgemein zufriedener und glücklicher sein. Die Abschaffung nicht relevanter Dinge und Verpflichtungen ist ein Teil davon. Und bringt mir den notwendigen mentalen Freiraum, mir über weitere Schritte für mich selbst Gedanken zu machen.

Licht und Schatten

Frische Luft und die letzten Sonnenstrahlen am Abend – Eine schöne Art, den Tag ausklingen zu lassen

Das Thema Corona-Blues hatten wir hier schon öfter. Zugegeben, ich kann mich selbst nicht mehr jammern hören. Also ist das doch vielleicht ein guter Zeitpunkt, mit einer anderen Einstellungen an die Sache heranzugehen. Oh, gehen. Gute Idee. Ich war in den letzten Wochen so oft spazieren wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Es entwickelt sich sogar die eigentlich tolle Gewohnheit, nach dem Abendessen direkt die Schuhe anzuziehen, und eine Runde zu gehen. Diese Runde kann mal nur um den erweiterten Block führen, oder auch ein paar Kilometer lang sein. Je nach Wetter, Lust und Laune.

Ist ein abendlicher Spaziergang nun eine große Neuerung im Leben? Das nun nicht so direkt. Aber es hilft merklich, den Arbeitstag zu Hause ausklingen zu lassen, die fehlende Bewegung auszugleichen und einen auf andere Gedanken zu bringen. Vor allem letzteres ist mir in den letzten Tagen sehr wichtig.

Ich möchte nicht, dass meine Tage komplett von Dauerberieselung mit den neuesten Horror-Meldungen und Einschränkungen dominiert werden. Die “Ritualrunde” schafft immer öfter einen positiven Impuls. Und beweist für mich wieder einmal: Es braucht nicht viel, um zufrieden einzuschlafen.

Sie werden so schnell groß…

Liberal Minimal wird heute ein Jahr alt, der erste Geburtstag unseres Blogs! Wie schnell die Zeit vergeht. Nicht immer fliegen einem die Ideen zu, aber fast immer findet sich letztendlich der ein oder andere Gedanke, über den es sich aus unserer Sicht zu schreiben lohnt.

Wir verändern uns. Wir denken nach, wir orientieren uns neu. Darüber zu schreiben, mal mehr, mal weniger, macht nach wie vor großen Spaß. Und wir sind gespannt, wohin die Reise geht.

Ich habe damit begonnen, zu meditieren

Es gibt immer wieder Phasen, in denen mein Kopf nicht so spielt, wie ich das möchte. So habe ich in jüngster Vergangenheit mehrfach von Erlebnissen und Momenten der Vergangenheit geträumt, von denen ich eigentlich dachte, ich hätte sie hinter mir gelassen. Damit es etwas greifbarer wird: Von Momenten bzw. Situationen, die für mich sehr verletzend und/oder belastend waren. Und die mich scheinbar noch immer prägen und beschäftigen.

Da dachte ich mir: Wenn mir weniger vollgestopfte Regale, Struktur und Übersicht in Finanzen, Arbeit und organisatorischen Dingen gut tun – mit einem Wort Einfachheit, wenn auch in vielseitiger Form, dann doch auch sicher meinem Hinterstübchen. Daher lese ich gerade ein Buch über Meditation.

Ist die Besinnung der Weg, schlechte Erinnerungen hinter sich zu lassen und besser damit umgehen zu können? Ich bin sehr gespannt und offen für diese für mich neuen Anregungen.

Sehnsucht nach Draußen

In diesen Tagen schiebe ich einen regelrechten Blues. Die auch nach … wie lange geht das eigentlich schon mit Corona? Jedenfalls auch die nach vielen, vielen Monaten noch bestehenden, eher noch tiefergehenden Einschränkungen nerven mich gerade massiv. Zwar bin ich stets brav, aber es fällt schwer. Zumal ich nicht wirklich den Eindruck habe, dass unsere Landesvertreter und deren Verwaltungsapparat Herr der Lage sind. Aber Halt, auf diesem Blog soll es nicht um Politik gehen.

Wo waren wir also? Ach ja, der Blues. Mich zieht es raus. Wie gern würde ich mein Zelt samt Schlafsack in den Rucksack werfen. Noch etwas Kleinkram dazu, vieles braucht man ohnehin nicht. Und dann ab. Wohin? Spontan zieht es mich nach Skandinavien. Lediglich mit einer groben Himmelsrichtung als Ziel losgehen. Übernachten, wo es einem gefällt. Immer an der frischen Luft.

Das Schreiben dieser Zeilen und die damit einhergehenden Bilder in meinem Kopf machen mir Hoffnung. Oder verstärken sie den Blues? Nein nein, Hoffnung. Ja genau.