Digital Minimal: Die Urlaubsfotos

Einige erinnern sich sicher an diese verrückten Zeiten der analogen Fotographie. Als man sich genau überlegt hat, ob man eines seiner teuren, wenigen Fotos auf dem Film nun für dieses Motiv nutzen möchte, oder nicht. Und an die Wartezeit, wenn man den Film hat entwickeln lassen. Aus der Filmtasche holte man dann Fotos, sah die überschaubare Anzahl durch. Und was wirklich misslungen war, wurde gar nicht erst aufgehoben oder in ein Album geklebt.

Und bestimmt kennen auch viele die typischen digitalen Bilderordner auf vielen Privatrechnern und Smartphones. Jedes Motiv ist gefühlt dreihundert Mal festgehalten worden. Fünfzig Bilder sind unscharf, ebenso viele schief, noch einmal hundert sind beides zusammen. Aufgehoben werden aber alle. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel die Funktion der Dia-Show nicht mehr genutzt wird, weil es viel zu lange dauert und keinen Spaß macht, sich die immer gleichen und schlechten Bilder anzusehen. Oder man Urlaubsbilder gar nicht mehr ansieht, weil man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht.

Mit dem Motto “Mut zum Löschen” habe ich meine digitalen Urlaubsbilder durchgesehen. Aus knapp 10000 Bildern wurden 1500. Das Ergebnis hat mich überrascht: Ich schaue mir wieder Urlaubsbilder an. Denn auf einmal macht mir das wirklich Freude. Ich habe nur die Bilder, die ich persönlich gut und schön finde, aufgehoben. Und mit denen ich Erinnerungen verbinde. In diesen zu schwelgen macht immer wieder Spaß.

Fotos sind heute praktisch umsonst. Speicherplatz dafür ist noch dazu sehr günstig und in Massen vorhanden. Das verführt natürlich dazu, viele Bilder zu machen. Aber ist es nicht schade, wenn dann die einen erschlagende Masse an Bildern dafür sorgt, dass man sie sich nicht mehr ansieht?

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