Kleider machen Leute

Während meiner nun fast zehnjährigen Berufstätigkeit hatte ich schon ein paar Jobwechsel. Ich bin zwar kein Freund großer Veränderungen, aber manchmal muss man doch über seinen eigenen Schatten springen, um sich wieder wohlzufühlen.

Entsprechend des beruflichen Werdegangs musste auch die Garderobe angepasst werden. Nach der Ausbildung wäre es wohl sehr unprofessionell gewesen, mit einer eher gediegenen Freizeitgarderobe (ja, damals war ich noch in dem Alter, in dem bauchfrei zumindest in der Freizeit im wahrsten Sinne des Wortes passend und auch möglich war) zur Arbeit zu erscheinen.

Im Laufe der Jahre wurde so zunächst ein Bestand an Arbeitskleidung angelegt und die Freizeitkleidung wurde auch immer mal wieder ausgetauscht. Am Anfang waren beide Bestände noch gut austauschbar; Freizeitkleidung konnte zur Arbeit angezogen werden und umgekehrt. Mittlerweile hat sich das gewandelt. Klar, ziehe ich gerne Blusen und Stöckelschuhe an, aber im Sommer, z. B. für eine Radtour, wäre das dann doch zu viel des Guten. Apropos Stöckelschuhe: Zu den Outfits mussten natürlich auch noch passende Taschen und das passende Schuhwerk angeschafft werden.

Es ist ein schönes Gefühl, sich etwas zu gönnen, schöne Kleidung auszusuchen und diese zum ersten Mal zu tragen. Aber reicht es nicht auch, ein Kleidungsstück zu haben, dass zwar nicht mehr fabrikneu, aber dafür für einen selbst neu ist? Immer mehr Kleidungsstücke sind darauf ausgelegt, so billig und günstig wie möglich zu sein und nach wenigem mehrmaligen Tragen im Müll zu landen. Muss das sein? Seit ich diese Erkenntnis verinnerlicht habe, bin ich aufmerksamer beim Kleiderkauf. Brauche ich dieses Kleidungsstück wirklich neu oder reicht es, wenn ich es secondhand kaufe? Es gibt mittlerweile unzählige online- und vor Ort-Angebote, um alte Kleider neu zu kaufen. Und teilweise sind diese noch nicht mal gebraucht, sondern werden neu, mit Originaletikett versehen, weiterverkauft.

Auch als einzelne Person sollte man nicht denken, dass man nichts beitragen kann. Jeder kann auf seine Art und Weise dazu beitragen, mit Dingen achtsamer umzugehen. Und wenn es nur ist, dass Kleidung secondhand gekauft wird und nicht als Wegwerfprodukt angesehen wird. So gelangen weniger Kleider in Umlauf und Ressourcen werden geschont. Wahrscheinlich ist das nicht mal minimalistisch im engeren Sinne, aber zumindest wird so weniger verschwendet. Ich reduziere für mich den Stock an neuer Kleidung, Kleidung wird nur noch angeschafft, wenn dafür ein anderes Kleidungsteil aussortiert werden kann. Ist dieses noch gut, wird es entweder weiterverkauft oder wird zur Kleiderkammer gebracht. Wenn ich selbst keine Wegwerfkleidung kaufe, muss ich die Stücke, die ich schon besitze, nicht als solche behandeln.

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