Nein, ich bin auch nicht genervt

Da Thomas in seinem letzten Beitrag beschlossen hat, weniger genervt zu sein, greife ich das Thema doch gerne auf.

Ja, auch ich habe mich früher öfter dabei ertappt, unnötig genervt zu sein. Warum früher? Weil ich glaube, dass ich das „Problem“ mittlerweile gut im Griff habe und es mit der Gelassenheit zum Glück schon viel besser und öfter klappt.

Letzte Woche hatte ich morgens um 8 Uhr einen Termin. Ich quälte mich also seufzend durch den Berufsverkehr samt Baustellenampel und Busverkehr; zumindest war die Bahnschranke oben.

Immer wieder schaute ich zwischendurch auf die Uhr und wusste, dass ich zu spät kommen würde, egal was ich jetzt noch unternehmen würde. Aber dann stellte ich mir die Frage, die zu einem inneren Dialog führte:

„Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren könnte?“

„Ich komme 5 Minuten zu spät.“

„Und dann?“

„Ja, nix, und dann. Nix passiert.“

„Jo alla, dann stell dich hald nid so a Määd!“ [Anmerkung: Pfälzisch für “Na siehst du, also mach’ Dir doch nicht so viele Gedanken darum” 😉 ]

Wird es besser, wenn ich genervt oder unruhig bin? Ändert es etwas an den Umständen? Nein, tut es nicht.

Diesen inneren Monolog halte ich mittlerweile oft, wenn ich ungeduldig oder genervt bin. Ist es das wert? Verbessern sich die Situation bzw. die Umstände? In den meisten Fällen ist die Antwort: Nein. Und das beruhigt mich dann und bringt mich runter.

Nein, ich bin nicht genervt

Sehr oft denke ich mir, dass weniger mehr ist. Neuerdings möchte ich vor allem seltener genervt sein. Und da ich Herausforderungen mag, habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wann ich offensichtlich unnötig genervt bin.

Zum Beispiel beim Warten in der Schlange an der Supermarktkasse. Manchmal kann man die Aggressivität und Anspannung der gesammelten Kundschaft buchstäblich fühlen. Da wird demonstrativ nach vorne und auf die Uhr geschaut, genervt aufgestöhnt und leise geschimpft. Zwar gehöre ich nicht zu den schimpfenden und fluchenden Kunden, aber ich bemerke meine Ungeduld.

Oder der Klassiker. Kaum zu toppen. Nahezu Folter für die Nerven: Die Bahn. Zwei Wörter, die meinen Puls bereits hochtreiben, selbst wenn ich gerade im Auto sitze. Apropos Auto: Warum bin ich eigentlich genervt, wenn bei erlaubtem Tempo 50 vor mir jemand nur 47 km/h fährt? Würde ich ausrechnen, wie viel Zeit ich verliere, während derjenige vor mir fährt, käme vermutlich allzu oft etwas lächerliches heraus.

In solchen Situationen bin ich ab sofort, das habe ich soeben beschlossen, nicht mehr genervt. So.

Schattenspiele

Eine andere Perspektive schafft andere Sichtweisen und Beurteilungen. Einfach mal über den eigenen Schatten springen. Manchmal ist es gar nicht schlecht, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. Eine andere Perspektive lässt einen die eigene Meinung zu bestimmten Dingen vielleicht überdenken. Oder man versteht einen Mitmenschen besser und kann auf ihn eingehen. Wir haben uns auch einmal anders gesehen. Und nebenbei einige der letzten Sonnenstrahlen des Tages genießen dürfen.

Ich muss gar nichts – Druck minimieren

Ich muss heute Abend noch zum Sport, weil ich sonst nicht im Pensum bin. Egal, ob ich mir das Pensum selbst vorschreibe, oder ob von außen Druck aufgebaut wird. Dann hab ich halt Kopfschmerzen, bin erkältet und absolut nicht motiviert, aber ich sollte halt trotzdem gehen!

Ich muss mich mal wieder bei FreundIn xyz melden, weil es schon wieder 5 Wochen her ist.

Ich sollte unbedingt heute noch einkaufen gehen – auch wenn nicht alles dringend benötigt wird und ich noch locker 2 Tage über die Essensrunden komme.

Und zum krönenden Abschluss das Nonplusultra-Argument: Ich muss dieses oder jenes tun, weil sich das so gehört, weil das alle so machen und weil es immer schon so war!

Aber was, wenn ich darauf keine Lust habe? Was, wenn mir die – teils selbst – auferlegten Verpflichtungen Bauchschmerzen bereiten? Was, wenn ich mich einfach besser fühle, wenn ich einen Gang zurückschalte, in mich rein höre und ganz egoistisch sage, dass ich mal Fünfe gerade sein lasse?

Geht davon die Welt unter? Nein!

Es tut gut, die Worte „soll“ und „muss“ aus seinem Wortschatz zu streichen. Du bist gut und ausreichend, genau so, wie du bist. Und nein, man muss eben nicht immer 100 % geben.

Auch Druck und falsches Pflichtgefühl lassen sich minimieren.

Home Office – Erfahrungen und Tipps

In Zeiten von Corona erlebt Home Office auch hierzulande Hochkonjunktur. Da ich bereits seit 2012 regelmäßig zu Hause arbeite, möchte ich in diesem Beitrag einige Tipps zum Arbeiten zu Hause geben.

  1. Die gewohnten Arbeitszeiten einhalten. Auch bei flexiblen Arbeitszeiten sind die meisten Menschen in meinem Umfeld zur gleichen Zeit am Arbeitsplatz. Ausnahmen werden eher durch Stau, ausgefallene Züge etc. verursacht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Diese Gewohnheiten pflege ich auch zu Hause. Ich stelle mir immer den gleichen Wecker und sitze auch immer zur gleichen Zeit am Rechner. Mein Kopf weiß dann: Jetzt beginnt der Arbeitstag.
  2. Den Arbeitsbereich von Ablenkungen befreien. Sicher ist das Geschmacksache. Aber ich brauche die eindeutige Trennung von Privatleben und Beruf. Wenn ich am Schreibtisch zu Hause arbeite, befinden sich keine privaten Dinge auf dem Tisch oder im direkten Blickfeld.
  3. Sich und den Arbeitsplatz abgrenzen. Wenn zur Arbeitszeit andere Personen im Haushalt anwesend sind empfiehlt es sich in meinen Augen, Grenzen zu ziehen. Wenn man am Arbeitsplatz sitzt, steht man nicht zur Verfügung. So wird man nicht aus der Konzentration gerissen.
  4. Eine vernünftige Pause machen. Die Küche ist nicht weit. Schnell etwas essen, am Ende sogar am Schreibtisch. Alles schon gehabt. Aber sicher weder gut und sinnvoll. Eine ordentliche Mittagspause wirkt Wunder. Vielleicht eine Runde um den Block gehen? Das gleicht den Bewegungsmangel durch den fehlenden Arbeitsweg wenigstens ansatzweise aus. Bei entsprechendem Wetter fahre ich auch gerne mal eine Stunde Rad.
  5. Ein Feierabendritual praktizieren. Normalerweise gehe ich aus dem Büro und sage mir beim Schließen der Tür sinngemäß: “Für heute ist Schluss – ungelöste Probleme werden morgen angegangen”. Zuhause geht das schlecht. Daher habe ich mir ein anderes Ritual angewöhnt, um mental vom Arbeitstag auf den Feierabend umzuschalten. Der Rechner wird in den Rucksack gepackt, mit dem ich sonst ins Büro gehe. Auch alles andere, was im Laufe des Tages auf den Schreibtisch gewandert ist. Der Rucksack verschwindet dann im Schrank.

Corona und das Blattgold

Ich habe befürchtet, dass es mit Beginn des Herbstes schlimmer wird. Und nun ist es wieder soweit: Man bekommt kein Klopapier mehr. Oder wie ich es inzwischen nenne: Blattgold. Dies ist, das habe ich in diesem Jahr gelernt, die zuverlässigste Warnung in diesem Land. Nun geht es also wieder los, die Beschränkungen werden konsequenter und strenger. Und wieder stellt sich für jeden die Frage, wie man mit der Situation am besten umgeht.

Abseits der Tatsache, dass die Gesundheit meiner Mitmenschen (und meine eigene) absoluten Vorrang hat, habe ich mir vor allem zur eigenen wirtschaftlichen Situation Gedanken gemacht. Was wäre wenn? Zum Beispiel wenn die Wirtschaft sich so entwickelt, dass ich im kommenden Jahr arbeitslos werde? Kein schöner Gedanke.

Dennoch: Was mir hilft ist die Gewissheit, nicht viel zu brauchen. Wie viel Geld man ausgibt, und wie viel Geld man braucht, sind zwei vollkommen unterschiedliche Größen. Die zweite Größe habe ich auch in diesem Jahr weiter nach unten geschraubt. Das lässt mich besser schlafen. Wenn ich jetzt noch irgendwo Toilettenpapier bekommen könnte…

Warum in die Ferne schweifen?

Wo ich jetzt gerne wäre? Irgendwo in der Ferne, wo ich die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers bei wärmeren Temperaturen genießen kann. Ja, ich weiß, auch hier scheint die Sonne und auch hier kann sich der Herbst von seiner schönen Seite zeigen. Für den Spätsommer bin ich wohl Anfang Oktober sowieso zu spät dran, zumindest in Deutschland.

Da es im Moment nicht möglich ist, oder besser gesagt, ich für mich dieses Jahr entschieden habe, nicht in die Ferne zu schweifen, versuche ich das beste aus der Situation zu machen. Die Pfalz hat so viele schöne Ecken, die ich erst in diesem Jahr angefangen habe zu entdecken.

Bis es mir wieder möglich ist, in die Ferne zu schweifen, träume ich einfach weiterhin von der Ferne und meinem geliebten Frankreich. Dann hat es dieses Jahr halt nicht geklappt. Keine Angst, ich komme nächstes Jahr wieder, dann mit umso mehr Freude im Herzen.

Vielleicht macht Minimalismus auch manchmal aus, dass man sich auf die kleinen und schönen Dinge besinnen sollte, die momentan einfacher erreichbar sind. Angelehnt an die Redewendung „Lieben der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ frage ich mich: Warum also im Moment in die Ferne schweifen?

Wenn einfach nicht mehr alles in Butter ist…

Die Regale in unseren Supermärkten, für mich Sinnbild von Überversorgung und Überangebot. Immer neue Produkte, davon immer mehr, immer ähnlicher, immer austauschbarer. Muss das wirklich sein? Ist das wirklich noch erstrebenswert?

…oder man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Ich stehe also im Supermarkt und möchte Butter kaufen. Nein, nicht gesalzen. Besonders einfach zu streichen? Ist Butter doch auch, man muss sie nur rechtzeitig aus dem Kühlschrank holen. Fettreduziert & Leicht? Nein, Butter. Leichte Butter, wer denkt sich so etwas überhaupt aus?

Beim Kauf von Butter gilt es mittlerweile das Produkt zu finden, welches auch wirklich einfach nur Butter ist. Genauso ist es bei Milch. Oder bei Buttermilch. Da frage ich mich: Möchte das die Mehrheit der Menschen wirklich? Verbinden wirklich so viele Konsumenten diese für mich unsinnige Vielfalt, die am Ende doch keine ist, mit Lebensqualität und Freiheit?

Ein alljährliches Problem rückt näher

Das eigentlich verursachende Problem zuerst: Ich habe bald Geburtstag. Das ist an sich nicht schlimm, wird jedoch jedes Jahr zur Materialschlacht. Ein Luxusproblem, keine Frage. Denn mein Problem besteht nicht darin, dass man mir nicht genug materielle Dinge schenkt. Mein Problem ist, dass ich nicht wenig genug bekomme.

Seit Jahren wünsche ich mir immaterielle Dinge. Ein Abendessen, ein Treffen, eine gemeinsame Aktivität. Und wenn es doch etwas Materielles sein soll, sind es z.B. Verschleißteile fürs Fahrrad. Das sind meine Wünsche, diese Dinge bereiten mir Freude. Die vorherrschende Meinung in der Gesellschaft scheint aber zu sein, dass das nicht ausreicht. Zeit? Einfach zur Zeit? Oder Bremsbeläge fürs Rad? Das kann doch kein richtiges Geschenk sein. Doch, das ist es. Zeit ist für mich mit das Wertvollste, was man schenken kann. Oder Dinge, die ich wirklich brauche.

Was ich hier schreibe, ist nicht böse gemeint. Im Gegenteil. Ich freue mich, dass die Menschen in meinem Umfeld darüber nachdenken, wie sie mir eine Freude machen können. Aber ich frage mich, warum sie mir nicht glauben, wenn ich ihnen sage, womit sie mir eine Freude machen können. Bzw. warum sie glauben, Zeit alleine würde nicht reichen. Irgendwann komme ich dahinter. Vielleicht im nächsten Jahr?

Kopf frei

Betrifft Minimalismus nur die Reduktion von materiellen Dingen? Und betrifft Minimalismus nur den Verzicht auf Materielles? Kann Minimalismus nicht auch die Reduktion von unnötigem Gedankengut darstellen?

In letzter Zeit stelle ich vermehrt fest, dass mich zu viele Dinge beschäftigen. Ich kann nicht richtig abschalten und fühle mich wie im Hamsterrad. Die Zeit rast und ich versuche alle Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Teilweise sind das Verpflichtungen, die ich mir selbst auferlegt habe. Aber was ist so schlimm daran, einmal nichts zu tun und seine Gedanken einfach mal schweifen zu lassen?

Im Urlaub habe ich mir fest vorgenommen, mir wieder mehr Me-Time zu gönnen und bewusst auch mal nichts zu tun. Ich verpasse nichts, wenn ich mir mal nur Zeit für mich gönne.

Minimalismus kann meiner Meinung nach auch das bewusste Reduzieren von unnötigem Gedankengut sein. Der eigene Körper gibt einem schon die Signale, wann es Zeit hierfür ist.