Ein Glas Wein mit Thomas

Nachdem Thomas den Start gemacht hat, bin ich jetzt dran, seine Fragen zum Thema Minimalismus zu beantworten. Hier also der zweite Teil unserer Fragerunde:

Nehmen wir an, wir wären endgültig reif für die Insel. Und wir dürften nur 5 Dinge mitnehmen. Was hättest du im Gepäck? 

  1. Sonnencreme, da ich alle Hoffnungen in eine Südseeinsel setze
  2. Eine Kopfbedeckung
  3. Bücher (Ich hoffe, dass das nur als ein Gegenstand zählt, siehe die dritte Frage)
  4. Ein Radio (Ich werde ja wohl bitte Empfang haben!)
  5. Eine super-duper Multifunktionsdecke (Nachts wird’s kalt und tagsüber wird sie zur Hängematte umfunktioniert. Gibt es so etwas schon?)

Und ja ich weiß, eigentlich sollte man eher an praktische Dinge denken: Verbandskasten, Erste-Hilfe-Set, Medikamentenvorrat, Wasser etc. Da ich aber glaube, dass ich nie unbeabsichtigt auf einer einsamen Insel landen werde, macht meine Liste für mich Sinn. Und ja, das Smartphone bleibt daheim.

Es gibt viele Dinge die wichtiger sind als Geld oder materieller Besitz. Welche Dinge sind das bei Dir? 

Gesundheit. Ist – glaube ich – selbsterklärend.

Weniger ist mehr, das liest und hört man oft. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Wo ist bei dir mehr einfach mehr?

Bücher, noch und nöcher! Ich weiß, dass E-Book-Reader eine tolle Sache sind und so einige Vorteile bieten. Sie sparen Platz und Gewicht, Bücher sind innerhalb von Sekunden verfügbar, Helligkeit und Schriftgröße lassen sich einstellen und und und.

ABER: Ich persönlich bevorzuge das gedruckte Wort: das Knacken, wenn man das erste Mal ein Buch aufschlägt, die Haptik, die schwarze Spur, die die Druckerschwärze an den Fingerspitzen hinterlässt, das Ein- und Umsortieren von Büchern in meinem Regal, *seufz*. Ich bin dann mal weg.

Ein Glas Wein mit Jennifer

Jennifer und ich hatten die Idee, für den jeweils anderen Fragen zum Thema Minimalismus und Reduktion aufzuschreiben. Hier also im ersten Teil meine Antworten auf Jennifers Fragen. Ihre Antworten auf meine Fragen finden sich hier.

Wie kam es dazu, dass du damit begonnen hast, dich mit dem Thema Minimalismus zu beschäftigten?

Da kamen verschiedene Dinge zusammen. Ich weiß noch, dass eine Dokumentation mein grundlegendes Interesse für das Thema geweckt hat. Darin wurden auch verschiedene Blogs und Bücher genannt, von denen ich mir dann einige zu Gemüte führte.

Ich fand es faszinierend und bewundernswert, mit welcher Konsequenz manche das Konzept des Minimalismus leben. Auch wenn mir manche Ansätze zu radikal sind. Ich möchte ja nicht zwanghaft jeden Gegenstand aus dem Haus werfen. Vielmehr fühlte ich mich dabei erwischt, viele Dinge zu besitzen, die ich nicht mehr brauche. Oder die ich noch nie gebraucht habe. Der Gedanke, die Anschaffung genau solcher Dinge zukünftig zu lassen, brachte mich dann dazu, mich mit dem Thema zu befassen.

Damit einhergehend kamen dann die ersten positiven Nebeneffekte. Das befreiende Gefühl beim Verschenken, Verkaufen und Entsorgen zum Beispiel. Oder die finanzielle Ersparnis, weil einfach weniger gekauft wird. Diese haben mich motiviert, in dieser Hinsicht weiter an mir selbst zu arbeiten und Gewohnheiten zu hinterfragen. Es dauerte nicht allzu lange, bis das Thema auch in anderen Bereichen Einzug hielt. Oft fühle ich mich mit weniger wohler. Ich vermute, die meisten Menschen finden wie ich den Einstieg in das Thema im materiellen Bereich.

Wie denken andere über deine Einstellung zum Thema Minimalismus? Gibt es jemanden in deinem Umfeld, der das gar nicht nachvollziehen kann bzw. belächelt?

Für viele Menschen in meinem Umfeld ist das glaube ich gar nicht direkt ersichtlich. Ich lebe ja nicht in einem Tiny House und lehne jeden Konsum kategorisch ab. In meinem Fall sind es eher viele Kleinigkeiten, bei denen ich einfach anders ticke, als die Mehrheit.

Gerade anfangs hatte ich aber das Gefühl, dass manche Menschen meine Gedanken dazu nicht ernst nehmen. Vielleicht hielten sie es auch nur für eine vorübergehende Phase. Damit habe ich aber kein Problem, ich möchte niemanden bekehren.

Beschreibe den positiven Effekt des Minimalismus’ für dich in einem Satz.

Mehr Zeit, Energie und Geld für das zu haben, was mir wichtig ist und Freude bereitet.

Was ich wollte, aber nicht brauchte

In letzter Zeit habe ich mich mehrfach in Kauflaune erwischt. Vom Ebook-Reader bis zu neuen Kopfhörern. Nicht dass die alten Kopfhörer nicht mehr funktionieren würden. Es gab objektiv gesehen überhaupt gar keinen Grund, sie zu ersetzen. Das ist mir zum Glück dann auch rechtzeitig eingefallen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Und wie ich auf den Ebook-Reader kam, weiß ich schon gar nicht mehr. Denn der eigentliche Witz ist: Ich lese nur sehr selten ein Buch. Im beruflichen Umfeld sind die Informationen aus dem Netz und allerhöchstens Zeitschriften aktueller, Bücher werden dort nur selten als Nachschlagewerke verwendet.

Privat habe ich die letzten Bücher am Rechner gelesen. Zugegeben, das ist nicht wirklich stilvolles Lesen. Da ich mir aber gleichzeitig auch Notizen gemacht habe, war es ungemein praktisch. Lange Rede kurzer Sinn: Ich brauche keinen Ebook-Reader. Zum einen lese ich wenig, zum anderen keine Romane sondern eher Fachliteratur.

Wie kamen denn aber nun diese Kaufideen in meinen Kopf? Auch unbewusst prasseln den ganzen Tag Werbe- und Kaufreize auf uns ein. Manchmal ist es gar nicht so leicht, dies an sich abprallen zu lassen. Aber Übung macht den Meister. Hilfreich ist auf jeden Fall der Tipp, Kaufwünsche auf eine Liste zu schreiben und sie sich erst nach z.B. dreißig Tagen zu erfüllen. Meistens besteht der Wunsch dann gar nicht mehr.

Wieder einfach mal raus

Mischung aus Geschichtsunterricht, Panorama und Modelleisenbahn: Das Obere Mittelrheintal

Zum wiederholten Male hieß es an diesem Wochenende: Einfach mal raus. Alles, was man für ein Wochenende (und auch darüber hinaus) benötigt, passt locker in einen Rucksack. Dieses Mal bot eine zweitägige Wanderung im Oberen Mittelrheintal die Gelegenheit, ein wenig vom Alltag abzuschalten.

Der Weg ist das Ziel, das klingt zwar abgedroschen, trifft aber den Kern der Sache. Mit den Schritten gehen auch die Gedanken, lösen sich auf, führen zu Entscheidungen, Rückschlüssen oder Ideen. Zudem sammelt man viele Eindrücke und erkundet Orte und Landschaften. Kurzurlaub, der nicht weit weg führen muss.

Pendeln – Veränderung der Routinen

Zwar stiegen in der Corona-Krise Akzeptanz und Verbreitung von Home Office deutlich an, dennoch werden die meisten von uns nicht um das Pendeln herumkommen. Viele Menschen empfinden Pendeln als Belastung, Zeitfresser und zusätzlichen Stress. Nicht zuletzt entstehen dadurch zusätzliche Kosten, Pendlerpauschale hin oder her. Was könnte man also unternehmen, um das Pendeln angenehmer zu gestalten und die Zeit sinnvoll zu nutzen?

Bis vor ungefähr drei Jahren war ich Bahnfahrer. Inklusive dem Fußweg zur Haltestelle dauerte die Fahrt ungefähr eine Dreiviertelstunde. Währenddessen habe ich die meiste Zeit Musik gehört, E-Mails und Nachrichten gelesen usw. Ein klassischer Berufspendler in der Bahn, immer an der gleichen Stelle wartend, einsteigend und sitzend. Und jemand, der kaum die Augen vom Bildschirm erhebt.

In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Warum also nicht einfach mit dem Fahrrad zur Arbeit? Wenn ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich ernsthaft, warum ich damit nicht früher angefangen habe. Aber besser spät als nie. Seit nunmehr über drei Jahren fahre ich regelmäßig morgens dreißig, mittags sechzig Minuten mit dem Rad. So komme ich auf gute neunzig Minuten Sport am jeweiligen Tag.

Und im Winter? Oder wenn es regnet? Kälte allein hält nur bedingt ab. Kälte und Wasser zugegeben schon eher. Hinzukommend hat man natürlich nicht immer die Motivation, sich auf den Drahtesel zu schwingen. Die Lösung ist in meinem Fall zum Glück sehr einfach: Zum Beispiel einfach zu Hause arbeiten. Gelegentlich bin ich auch mal Mitfahrer im Auto. Das kann ich mir immerhin noch dahingehend schönreden, als dass das Auto dann nicht nur eine Person befördert. Und während der Fahrt kann man sich unterhalten.

Mir ist klar, dass nicht jeder Pendler einfach aufs Fahrrad umsteigen kann. Dennoch, auch wenn es bei Bahn oder Auto bleibt, die Zeit kann genutzt werden. Im Auto sind die Möglichkeiten zugegebenermaßen stark eingeschränkt. Deswegen halte ich persönlich auch nur wenig davon, es jeden Tag für den Weg zur Arbeit zu benutzen.

Wunschkonzert der Gedanken

In den letzten Wochen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was ich gerne lernen würde, bzw. auf welchem Gebiet ich gerne mein Wissen vertiefen würde. Es gibt so viele Dinge die mich begeistern und interessieren. Dummerweise gibt es da aber ein Limit: Mich. Denn meine Aufnahmefähigkeit ist nun leider einmal ebenso begrenzt wie meine Zeit.

So habe ich beispielsweise im letzten Jahr viel Zeit damit verbracht, mir die Grundlagen des Italienischen anzueignen. Irgendwann wurde aber aus dem anfangs begeisterten Lernen eine als Belastung empfundene Verpflichtung. Es passte nicht mehr in meinen Alltag, und vor allem nicht mehr in meinen Kopf.

Ich fand das sehr schade, denn erste Erfolge in der Praxis während des letzten Aufenthalts in Italien haben mich wahnsinnig gefreut und motiviert. Dennoch konnte ich die Motivation und Priorität nicht aufrechterhalten. Aber weswegen?

Wahrscheinlich ist der Grund so naheliegend, dass ich ihn nicht wahrhaben wollte. Ich habe einen Denkberuf, höre viel Musik, sehe mir oft Fachvorträge und Dokumentationen an. Ist es eigentlich nicht etwas dämlich, seinem Kopf außer beim Sport nie eine Pause zu gönnen und sich dann noch zu wundern, dass er sich irgendwann selbst schützt?

Dabei gibt es so viele Themen, die mich interessieren und reizen. Von der italienischen Sprache über verschiedene Instrumente bis hin zu speziellen IT-Themen, Börse, Kochen und und und. Alles geht nun einmal nicht. Aber ich kann zumindest versuchen die Dinge, die mich eigentlich nicht wirklich interessieren oder weiterbringen (höchst subjektiv), aber meine Aufmerksamkeit fordern, zu vermeiden.

Also Reduktion an einer Stelle, um an der anderen Maximierung betreiben zu können? Gewissermaßen. Aber insgesamt doch eher Reduktion auf das für mich Wesentliche. Und damit einen Versuch wert. Also mache ich mir Gedanken über die Aktivitäten, die für mich mehr Zeitvertreib als Entspannung, Erfüllung oder Weiterbildung sind. Um genau diese dann wegzulassen.

Tipps zum Thema minimale Finanzen

Es gibt viele Gründe, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Vielleicht soll die monatliche Sparquote erhöht werden, weil man sich etwas Bestimmtes kaufen möchte. Oder man muss finanziell kürzer treten und ist gezwungen Einsparungen vorzunehmen. In diesem Artikel stelle ich meine persönlichen Maßnahmen und Schritte vor. Diese haben mir geholfen, Kosten zu senken und einen besseren Überblick über meine Finanzen zu haben.

Einzugsermächtigungen auflisten

Dieser Schritt ist zugegebenermaßen eine echte Sisyphusarbeit, welche nicht wirklich Spaß macht. Zumal mir keine Bank bekannt ist, die bestehende Einzugsermächtigungen für das eigene Konto auflistet. Ich bin daher die Kontoauszüge der letzten zwei Jahre durchgegangen, um eine vollständige Liste erstellen zu können. Bei Online-Bezahldiensten wie PayPal hingegen kann man oft eine Liste der zum Einzug berechtigten Firmen einsehen.

Eine Dokumentation erstellen

In meinem Fall ist diese Dokumentation eine digitale Tabellenkalkulation. Die Erfassung kann aber natürlich auch in Papierform erfolgen. Ich führe in dem Dokument verschiedene Listen. Dazu zählen meine monatlichen Fixkosten samt deren Zahlungsart sowie existierende Einzugsermächtigungen. Außerdem pflege ich dort eine Liste aller jährlichen Abbuchungen samt Terminen. Diese Dokumentation gehört zu den wichtigsten Dateien in meinem Datenbestand. Daher lege ich großen Wert auf eine sorgfältige Datensicherung.

Das richtige Konto finden

Da Banken mit überteuerten Dispositionskrediten und Gebühren meiner Meinung nach genug verdienen, möchte ich keine Kontoführungsgebühren zahlen. Noch gibt es zahlreiche Banken mit kostenlosen Girokonten zur Auswahl. Ein Wechsel der Bank ist zwar mit Aufwand verbunden, spart aber oft Geld und verbessert gleichzeitig die eigene Übersicht.

Zukünftige Wechsel erleichtern

Die Dokumentation allein beschleunigt einen zukünftigen Wechsel bereits erheblich. Zusätzlich zahle ich vor allem bei Käufen im Internet fast ausschließlich mit einem Bezahldienst, ich verwende aufgrund der großen Verbreitung PayPal. Ändert sich meine Bankverbindung erneut, muss diese nur dort aktualisiert werden. Das erspart mir bei jedem Shop, bei dem ich noch ein Konto besitze, die Zahlungsmethode anpassen zu müssen.

Viele Dienstleister bieten außerdem Kundenportale an. In diesen Kundenportalen können die eigenen Daten gepflegt werden. Ich kann so zum Beispiel bei all meinen Versicherungen online die Bankverbindung ändern. Das spart viele Briefe und Kommunikationsaufwand.

Die Versuchung des Konsums

Reduzierte Mehrwertsteuer, Sonderangebote, Rabattaktionen, Kundenkarten und haste-nicht-gesehen-Wochen sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Sollen anregen zu Konsum auf altem Niveau, vor der Corona-Krise. Ich komme mir vor, als würden von allen Seiten Hände an mir ziehen um mich dazu zu bewegen, irgendetwas anzuschaffen.

Die wachstumsorientierte Ökonomie hat es nicht mehr so leicht mit mir. Nicht mehr so leicht wie noch vor einigen Jahren. Fast könnte sie einem etwas leidtun. Aber sie hat es doch auch wirklich übertrieben. Und das über eine sehr lange Zeit. Immer mehr, in immer kürzeren Abständen. Immer neue Bedürfnisse im Kunden wecken, Probleme aufzeigen und Lösungen dafür präsentieren.

Nur gibt es da ein Problem mit den aufgezeigten Problemen. Denn sie sind für mich nahezu ausnahmslos keine Probleme. Mich stört es nicht, dass meine Wäsche nicht nach künstlicher Meeresfrische riecht. Daher verspüre ich nicht das Bedürfnis, irgendwelche Duftperlen in die Waschmaschine zu werfen. Immer neue Kreationen an Zahnpasta, die gefühlt dreihundertste Variante eines Produktes, welches schon in der Urfassung nicht schmeckt. Nein, ich brauche das alles einfach nicht.

Ich brauche es nicht nur nicht, ich möchte es auch nicht mehr. Weder meine Gedanken und Zeit noch mein Geld oder sonst irgendeine meiner Ressourcen möchte ich dafür aufwenden. Stattdessen erfreue ich mich an der neugewonnenen Einfachheit. Gleichzeitig bin ich erstaunt, wie wenig ich mir tatsächlich kaufe, wenn ich Kaufentscheidungen bewusst treffe.