Reduktion – Purer Luxus?

Würde man einem Vertreter der Kriegsgeneration erklären, dass man sich nach weniger sehnt und gerne in seinem Leben in verschiedenen Bereichen reduzieren würde, dürfte es vermutlich nicht lange dauern bis ein Satz in der Art von “Dir geht es zu gut” fallen würde. Und diesen könnte ich der Person noch nicht einmal übelnehmen.

Im Grunde genommen ist der Wunsch nach Vereinfachung für mich die Folge einer bestimmten Entwicklung in der Gesellschaft. Nämlich der scheinbar allgegenwärtigen Auffassung, dass immer mehr automatisch auch immer besser ist. “Dir geht es zu gut” impliziert das doch eigentlich auch. Viel ist gleich gut.

Dennoch ist an dem Satz etwas wahres. Der Wunsch nach Vereinfachung und Reduktion kann doch eigentlich nur dann entstehen, wenn das eigene Leben zuvor zu kompliziert oder “zu viel” war. Zu viel, das kann verschiedenes bedeuten. Zu viele Verpflichtungen, zu viel ungenutzter Besitz, zu viele Ablenkungen. Oder zu wenig: Zu wenig Zeit, zu wenig Freiraum usw.

Für einen meiner Freunde, der gerade arbeitslos ist, ist es das sicher nicht. Er sehnt sich weniger nach Reduktion, eher nach Be- und Auslastung, nach finanziellem Spielraum und Möglichkeiten des Konsums.

Also ist die Reduktion doch Luxus? Für mich definitiv, denn ich verzichte nicht weil ich verzichten muss, sondern weil ich es möchte. Allein die Erkenntnis, dass es nicht viel braucht, um glücklich und zufrieden zu sein, ist für mich Luxus pur.

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