Schlagwort-Archive: corona

Corona und das Blattgold

Ich habe befürchtet, dass es mit Beginn des Herbstes schlimmer wird. Und nun ist es wieder soweit: Man bekommt kein Klopapier mehr. Oder wie ich es inzwischen nenne: Blattgold. Dies ist, das habe ich in diesem Jahr gelernt, die zuverlässigste Warnung in diesem Land. Nun geht es also wieder los, die Beschränkungen werden konsequenter und strenger. Und wieder stellt sich für jeden die Frage, wie man mit der Situation am besten umgeht.

Abseits der Tatsache, dass die Gesundheit meiner Mitmenschen (und meine eigene) absoluten Vorrang hat, habe ich mir vor allem zur eigenen wirtschaftlichen Situation Gedanken gemacht. Was wäre wenn? Zum Beispiel wenn die Wirtschaft sich so entwickelt, dass ich im kommenden Jahr arbeitslos werde? Kein schöner Gedanke.

Dennoch: Was mir hilft ist die Gewissheit, nicht viel zu brauchen. Wie viel Geld man ausgibt, und wie viel Geld man braucht, sind zwei vollkommen unterschiedliche Größen. Die zweite Größe habe ich auch in diesem Jahr weiter nach unten geschraubt. Das lässt mich besser schlafen. Wenn ich jetzt noch irgendwo Toilettenpapier bekommen könnte…

Warum in die Ferne schweifen?

Wo ich jetzt gerne wäre? Irgendwo in der Ferne, wo ich die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers bei wärmeren Temperaturen genießen kann. Ja, ich weiß, auch hier scheint die Sonne und auch hier kann sich der Herbst von seiner schönen Seite zeigen. Für den Spätsommer bin ich wohl Anfang Oktober sowieso zu spät dran, zumindest in Deutschland.

Da es im Moment nicht möglich ist, oder besser gesagt, ich für mich dieses Jahr entschieden habe, nicht in die Ferne zu schweifen, versuche ich das beste aus der Situation zu machen. Die Pfalz hat so viele schöne Ecken, die ich erst in diesem Jahr angefangen habe zu entdecken.

Bis es mir wieder möglich ist, in die Ferne zu schweifen, träume ich einfach weiterhin von der Ferne und meinem geliebten Frankreich. Dann hat es dieses Jahr halt nicht geklappt. Keine Angst, ich komme nächstes Jahr wieder, dann mit umso mehr Freude im Herzen.

Vielleicht macht Minimalismus auch manchmal aus, dass man sich auf die kleinen und schönen Dinge besinnen sollte, die momentan einfacher erreichbar sind. Angelehnt an die Redewendung „Lieben der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ frage ich mich: Warum also im Moment in die Ferne schweifen?

Pendeln – Veränderung der Routinen

Zwar stiegen in der Corona-Krise Akzeptanz und Verbreitung von Home Office deutlich an, dennoch werden die meisten von uns nicht um das Pendeln herumkommen. Viele Menschen empfinden Pendeln als Belastung, Zeitfresser und zusätzlichen Stress. Nicht zuletzt entstehen dadurch zusätzliche Kosten, Pendlerpauschale hin oder her. Was könnte man also unternehmen, um das Pendeln angenehmer zu gestalten und die Zeit sinnvoll zu nutzen?

Bis vor ungefähr drei Jahren war ich Bahnfahrer. Inklusive dem Fußweg zur Haltestelle dauerte die Fahrt ungefähr eine Dreiviertelstunde. Währenddessen habe ich die meiste Zeit Musik gehört, E-Mails und Nachrichten gelesen usw. Ein klassischer Berufspendler in der Bahn, immer an der gleichen Stelle wartend, einsteigend und sitzend. Und jemand, der kaum die Augen vom Bildschirm erhebt.

In meiner Freizeit fahre ich gerne Fahrrad. Warum also nicht einfach mit dem Fahrrad zur Arbeit? Wenn ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich ernsthaft, warum ich damit nicht früher angefangen habe. Aber besser spät als nie. Seit nunmehr über drei Jahren fahre ich regelmäßig morgens dreißig, mittags sechzig Minuten mit dem Rad. So komme ich auf gute neunzig Minuten Sport am jeweiligen Tag.

Und im Winter? Oder wenn es regnet? Kälte allein hält nur bedingt ab. Kälte und Wasser zugegeben schon eher. Hinzukommend hat man natürlich nicht immer die Motivation, sich auf den Drahtesel zu schwingen. Die Lösung ist in meinem Fall zum Glück sehr einfach: Zum Beispiel einfach zu Hause arbeiten. Gelegentlich bin ich auch mal Mitfahrer im Auto. Das kann ich mir immerhin noch dahingehend schönreden, als dass das Auto dann nicht nur eine Person befördert. Und während der Fahrt kann man sich unterhalten.

Mir ist klar, dass nicht jeder Pendler einfach aufs Fahrrad umsteigen kann. Dennoch, auch wenn es bei Bahn oder Auto bleibt, die Zeit kann genutzt werden. Im Auto sind die Möglichkeiten zugegebenermaßen stark eingeschränkt. Deswegen halte ich persönlich auch nur wenig davon, es jeden Tag für den Weg zur Arbeit zu benutzen.

Drei Monate Corona-Krise – ein persönlicher Rückblick

Nach nunmehr knapp drei Monaten allgegenwärtiger Präsenz von COVID-19 in Alltag und Medien habe ich gedanklich einige Schlussfolgerungen für mich selbst gezogen. Das Wichtigste zu allererst: Die Menschen um mich herum und auch ich selbst sind gesund. Daher habe ich das Glück, über folgendes nachdenken zu können.

Mehrfach habe ich in meinem Umfeld von Ängsten vor oder aufgrund von Verlust der Beschäftigung, Kurzarbeit und Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung gehört. Davor sind nur die wenigsten wirklich sicher. Man kann aber versuchen, die potenziellen Auswirkungen auf das eigene Leben möglichst gering halten. Keine Finanzierungs- oder Leasing-Verpflichtungen in Verbindung mit geringen fixen Ausgaben schaffen finanziellen Spielraum und lassen das eventuell notwendige Überbrücken wirtschaftlich schwerer Zeiten besser zu.

Oft hat man Ideen und Pläne, die aber im Alltag nicht den notwendigen Raum bzw. die entsprechende Priorität genießen. Man würde gerne etwas tun, macht es aber dann doch nicht. Da der Alltag nun plötzlich Einschränkungen unterlag, suchte ich in den eigenen vier Wänden neue Beschäftigungen für die gewonnene Zeit. Eine davon ist die Realisierung dieses Blogs.

Ganz automatisch verbringt man mehr Zeit und redet auch mehr miteinander. Daraus entstanden zum ersten Mal seit langem wieder grundsätzliche Gespräche hinsichtlich Gestaltung der Zukunft. Bietet sich hier die Chance, wieder etwas mehr Enthusiasmus und Dynamik in die eigene Beziehung zu bringen?

Die persönliche Finanzstrategie in der Krise

Nach nun zwei Monaten der Einschränkungen und einhergehender wirtschaftlicher Auswirkungen häufen sich in den Medien die Meldungen über Branchen und Konzerne in Not. Bei der Autoindustrie, die wieder einmal um staatlich subventionierte Kaufanreize bettelt, wurde ich überdrüssig und habe aufgehört, die Themen zu verfolgen. War es doch gerade diese Branche, die über beinahe ein Jahrzehnt ihre Absatzrekorde ebenso am Fließband produzierte, wie ihre Autos.

Als Kind hat man mir gesagt, dass man nicht immer alles sofort ausgeben darf. Man muss auch etwas für schlechte Zeiten zurücklegen. Ich bin mir darüber im Klaren, dass die Führung eines Großkonzerns nun doch nicht ganz so einfach ist. Aber am Grundprinzip und der Notwendigkeit einer Rücklage ändert das für mich wenig.

Wie sieht es also in Zeiten wie diesen bei mir als Privatperson aus? Für mich selbst sehe ich zwei grundlegende Strategien, mit dem eigenen Geld umzugehen. Ich kann eine Wachstumsstrategie fahren und beispielsweise monatlich in Fonds investieren. Dabei habe ich oft keine Ahnung, was mit meinem Geld passiert. Stattdessen bin ich darauf angewiesen, dass andere, die in jedem Fall mitverdienen, wissen was sie tun. Im Fall von beispielsweise ETFs oder Fonds komme ich insbesondere in Krisenzeiten nur mit teilweise erheblichen Verlusten an mein Geld, wenn ich auf persönliche wirtschaftliche Katastrophen wie einen Jobverlust reagieren muss.

Die andere Strategie stellt das Gegenteil dar. Primäres Ziel ist die Senkung der Ausgaben und die Reduktion fixer Kosten. Dabei geht es nicht darum, mit so wenig wie möglich zu leben, gar kein Geld mehr auszugeben und an allen Ecken und Kanten zu knausern . Vielmehr suche ich den für mich richtigen Mittelweg, geprägt von überlegtem Kaufverhalten und Resistenz gegen Impulskäufe und Wegwerfmentalität. Als netter Nebeneffekt baut sich ohne Zutun ein finanzielles Polster auf, welches in Krisenzeiten ein Überbrücken von fehlenden Einnahmen dank ohnehin nicht hoher Ausgaben kompensieren kann.

Ich persönlich fahre besser mit der zweiten Variante. Sie spart auf Dauer nicht nur Geld, sondern erspart mir auch viel Verwaltungsarbeit und Stress. All das weiß ich, gerade in Zeiten wie diesen, immer mehr zu schätzen.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Seit einigen Wochen erfüllt eine seltsame Ruhe den Himmel. Kein Fluglärm. Keine Kondensstreifen. Die Börse legt den Rückwärtsgang ein. Die Fußgängerzonen waren zeitweise wie leer gefegt. Die Straßen waren leer, sogar die allwerktäglichen Staus, vielerorts waren sie verschwunden. Gerade die Börse ist zurück auf dem Boden der Tatsachen angelangt, nachdem in den letzten Jahren ein kaum erklärbarer Hype im Gange war.

Zweifelsfrei sind die vielen leidtragenden Angestellten der betroffenen Branchen in diesen Tagen nicht zu beneiden. Niemand sollte existentielle Ängste durchmachen müssen. Und es ist wichtig, alles uns mögliche zu unternehmen, um so viele Krankheitsfälle wie nur möglich zu verhindern. Ich für meinen Teil halte mich konsequent an die beschlossenen Maßnahmen und wünsche allen Betroffenen an dieser Stelle gute Besserung.

Dennoch, diese Zeiten haben auch positive Aspekte.

Die überwiegende Mehrheit von uns ist in einer Überflussgesellschaft aufgewachsen. Die ständige Verfügbarkeit aller begehrten Güter ist für uns normal, ja geradezu selbstverständlich. In Abteilungen des grundlegenden Bedarfs vor fast oder gar gänzlich leeren Regalen zu stehen, das kannten die meisten von uns nicht. Statt aus gefühlt dutzenden Produktvarianten die passende auszusuchen zählt nun, dass man das gewünschte Produkt überhaupt bekommt. Vielleicht führt diese Erfahrung wieder zu etwas mehr Wertschätzung und weniger Verschwendung von Lebensmitteln, aber auch von anderen Gütern.

Apropos Einkauf: Für mich persönlich wurde das Einkaufen, zumindest teilweise, um einen wesentlichen Faktor erleichtert. Denn ich hasse es, zu viel Auswahl zu haben. Persönliche Hassobjekte meinerseits sind zum Beispiel meterlange Regale voller Senf und Ketchup. Ich möchte einfach nur Senf. Im Supermarkt meiner Träume gibt es drei Sorten Senf. Alle sind von gleicher, hoher Qualität. Einer ist mild, einer mittelscharf und einer ist scharf. Diese schnelle Auswahl ist in einer Sekunde erledigt. Am einfachsten war die Auswahl, dank der kräftigen Mithilfe vieler Mitbürger, beim Toilettenpapier.

Nachdem nun über ein Monat mit den vorgegebenen Einschränkungen vorüber ist, macht sich nach dem üblichen Kassensturz eine deutliche finanzielle Einsparung bemerkbar. Da auf einen Schlag quasi sämtliche kostenpflichtigen Freizeitaktivitäten sowie Gastronomiebesuche weggefallen sind, ist am Ende des Monats deutlich mehr Geld übrig. Dennoch – ich freue mich darauf, meinen Lieblingsrestaurants bald wieder einen Besuch abstatten zu können. Auch hier kommt mir wieder der Gedanke der Wertschätzung. Essen gehen, das ist Luxus, dessen Wertschätzung vielleicht auch bei mir zu sehr abgenommen hat.

Mal ehrlich, wie oft denkt oder spricht man den Satz: Ich habe keine Zeit? In diesen Zeiten kann man endlich wieder Zeit haben. Für den Partner, für sich selbst, und auch die Freunde müssen nicht zu kurz kommen. Denn vieles ist möglich, um in Kontakt zu bleiben.

Passt auf euch auf.