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Ärger über den Ärger

Am letzten Wochenende habe ich eine Radtour unternommen. Das Wetter war hervorragend, die Strecke hat Spaß gemacht. Ich war flott unterwegs, die Bodenverhältnisse hätten kaum besser sein können. Die Einkehr unterwegs war herrlich. Ein Kurzurlaub am Samstag, Erholung für den Kopf und eine willkommene Ablenkung vom Büroalltag durch Bewegung.

Zuhause angekommen stelle ich fest, dass mein ohnehin ungeliebtes GPS wieder einmal durch nicht funktionierende Software eine fehlerhafte Aufzeichnung erstellt hat. Diese ließ sich weder auslesen noch auswerten. Darüber habe ich mich sehr geärgert und auch aufgeregt. Im Nachgang habe ich mich dann noch einmal geärgert. Und zwar darüber, dass ich mich geärgert habe. Warum eigentlich?

Weil ich eine schöne Radtour gemacht habe? Bei tollem Wetter? In schöner Natur? Das wäre sinnlos. Genauso sinnlos, wie mir den Spaß daran durch ein blödes, unnötiges Gerät verderben zu lassen. Denn eigentlich ist es doch egal, wie weit ich gefahren bin. Oder wieviele Höhenmeter bewältigt wurden. Hauptsache, ich hatte dabei meinen Spaß.

Würde ich nicht noch mehr Spaß haben, wenn ich mich weder während noch nach der Fahrt über das blöde Gerät ärgern würde? Ich werde es ausprobieren. Denn eigentlich ist ja der Weg das Ziel, nicht die Auswertung.

Digital Minimal – Kahlschlag

Wie in den letzten Beiträgen zum Thema digitaler Minimalismus beschrieben, habe ich in der Vergangenheit schon sehr viel von meinem System gelöscht. Auch kopiere ich nicht wahllos neue Inhalte auf mein System. Dennoch horte ich nach wie vor Daten. Da mich das selbst etwas nervt, habe ich mich zu einem Experiment entschlossen. Ich habe einfach meinen Rechner neu aufgesetzt. Da ich ein automatisiertes Backup verwende, konnte ich das sogar spontan tun.

Auf das neue System kommt nur das, was ich wirklich benötige. Wenn ich einen solchen Bedarf habe, stelle ich die entsprechenden Daten aus meinem Backup wieder her. Ich bin gespannt, was sich nach einigen Monaten wieder auf meinem System befindet. Ich vermute, es wird nicht besonders viel sein. In der ersten Woche war es neben meiner Passwortdatenbank eigentlich nur der Dokumente-Ordner (den ich bei der Gelegenheit auch noch einmal ausgemistet habe).

Aber welchen konkreten Nutzen hat man von einer solchen Aktion? In meinem Falle spielt der Gewinn an Speicherplatz nicht wirklich eine Rolle. Denn schon zuvor hatte ich den mir zur Verfügung stehenden Speicherplatz nicht annähernd gänzlich verwendet. Das System startet aber wieder deutlich schneller. Außerdem müssen seltener Aktualisierungen installiert werden, da einfach wieder weniger Software vorhanden ist.

Zu guter Letzt habe ich durch das beschriebene Vorgehen nun wirklich nur das, was ich benutze und benötige. Noch schnelleres Finden, denn von Suchen kann man endgültig nicht mehr sprechen, ist die Folge.

Digital Minimal – Konsolidierung

Auch in meinem virtuellen Leben versuche ich, die Dinge einfach zu halten. Es gibt keine doppelten Dateien, je nach Anwendungszweck nur eine Software sowie keine unterschiedlichen Ablageorte für ähnliche Daten. Beziehungsweise keine Ablageorte, die ich manuell aktuell halten müsste. Das passiert automatisch.

Alles auf einen Blick

Mein persönliches “Konzept” hat sich über Jahre entwickelt. Eines hatten aber alle Entwicklungen gemein: Es wurde immer weniger. Dabei habe ich keine tief verschachtelten Ordnerstrukturen. Es ist einfach nur vieles in den Papierkorb gewandert.

Einfach die schöne Aussicht genießen

Digital Minimal – Weniger Störungen

Auf gefühlt jedem Gerät verlangen App-, Browser- und anderweitige Benachrichtigungen nach unserer Aktion und Aufmerksamkeit. Meldungen, Einblendungen, Geräusche und kleine Symbole in den Benachrichtigungsbereichen, Sperrbildschirmen und Arbeitsbereichen. Im nicht virtuellen Bereich meines Lebens versuche ich, mir unnötig erscheinende Informationsflüsse soweit möglich zu vermeiden.

Auf meinem Smartphone darf beispielsweise so gut wie keine App Geräusche von sich geben oder meinen Sperrbildschirm mit Meldungen füllen. Das Höchstmaß der Gefühle ist es, einer App zu erlauben, einen kleinen Zähler für neue Nachrichten etc. auf dem Startbildschirm zu haben.

Diese Zähler sehe ich also nur, wenn ich das Gerät bewusst in die Hand nehme und es entsperre. Ich schaue auf mein Smartphone, wenn ich darauf schauen möchte. Nicht aber, wenn das Smartphone mich nahezu nötigt, auf selbiges zu schauen. Gleiches gilt z.B. auch für mein E-Mail-Programm. Kein Popup, keine Vorschau, kein kleiner Briefumschlag am Bildschirmrand.

Mit jeder unnötigen Information weniger kann man sich besser auf das fokussieren, was gerade wirklich wichtig ist.

Digital Minimal – Einfach mal abschalten

Um ehrlich zu sein, ich schalte mein Smartphone so gut wie nie aus. Nachts befindet sich es normalerweise im Flugmodus. Das vergesse ich hin und wieder, dann greift aber immerhin der automatische Nicht-Stören-Modus. Ich werde also wenigstens nachts nicht von irgendwelchen E-Mails oder dergleichen geweckt.

Morgens, das kann ich nicht leugnen, gilt einer der ersten Blicke dem Smartphone. Flugmodus ausschalten, schauen was an Nachrichten, E-Mails und Benachrichtigungen von Instagram eintrudelt. Eigentlich traurig: Ich schaue auf das Smartphone, bevor ich aus dem Fenster schaue.

Aber warum schaltet man das Gerät abends nicht einfach aus? Nach der Morgentoilette und dem ersten Kaffee könnte man langsam daran denken, es wieder anzuschalten. Die Priorität, die das Smartphone bei mir genießt, erscheint mir mit einem Mal zu hoch, das möchte ich ändern.

Ich werde es also in Zukunft einfach öfter mal abschalten. Und noch dazu meinen einzigen Account bei sozialen Netzwerken (Instagram) stilllegen. Denn wenn ich die App öffne, bin ich meistens doch nur genervt von zu viel unwichtigem Inhalt. Stattdessen könnte man auch einfach einmal morgens aus dem Fenster schauen.

Digital Minimal: Die Urlaubsfotos

Einige erinnern sich sicher an diese verrückten Zeiten der analogen Fotographie. Als man sich genau überlegt hat, ob man eines seiner teuren, wenigen Fotos auf dem Film nun für dieses Motiv nutzen möchte, oder nicht. Und an die Wartezeit, wenn man den Film hat entwickeln lassen. Aus der Filmtasche holte man dann Fotos, sah die überschaubare Anzahl durch. Und was wirklich misslungen war, wurde gar nicht erst aufgehoben oder in ein Album geklebt.

Und bestimmt kennen auch viele die typischen digitalen Bilderordner auf vielen Privatrechnern und Smartphones. Jedes Motiv ist gefühlt dreihundert Mal festgehalten worden. Fünfzig Bilder sind unscharf, ebenso viele schief, noch einmal hundert sind beides zusammen. Aufgehoben werden aber alle. Mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel die Funktion der Dia-Show nicht mehr genutzt wird, weil es viel zu lange dauert und keinen Spaß macht, sich die immer gleichen und schlechten Bilder anzusehen. Oder man Urlaubsbilder gar nicht mehr ansieht, weil man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht.

Mit dem Motto “Mut zum Löschen” habe ich meine digitalen Urlaubsbilder durchgesehen. Aus knapp 10000 Bildern wurden 1500. Das Ergebnis hat mich überrascht: Ich schaue mir wieder Urlaubsbilder an. Denn auf einmal macht mir das wirklich Freude. Ich habe nur die Bilder, die ich persönlich gut und schön finde, aufgehoben. Und mit denen ich Erinnerungen verbinde. In diesen zu schwelgen macht immer wieder Spaß.

Fotos sind heute praktisch umsonst. Speicherplatz dafür ist noch dazu sehr günstig und in Massen vorhanden. Das verführt natürlich dazu, viele Bilder zu machen. Aber ist es nicht schade, wenn dann die einen erschlagende Masse an Bildern dafür sorgt, dass man sie sich nicht mehr ansieht?