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Wenn Einfachheit Spaß macht – Teil II

Worum geht es? Um Gegenstände, die ihre Aufgabe perfekt erfüllen, und an denen man nichts mehr weglassen kann. Teil I ist hier zu finden.

Der nächste im Bunde meiner minimalistischen Helfer ist mein Rasierhobel. Ich habe mich jahrelang mit Systemrasierern der bekannten Hersteller rasiert. Eine kurze Affäre mit einem Elektrotrockenrasierer verdarb mir nicht nur die Lust auf eine Affäre, sondern auch den Bart. Da ich mich manchmal jeden, manchmal aber auch nur alle drei Tage rasiere, kam der Trockenrasierer schnell an seine Grenzen. Und wenn man sowieso noch einmal nass rasieren muss, macht das Gerät so gar keinen Sinn mehr.

An den Systemrasierern wiederum stören mich mehrere Eigenschaften immer mehr:

  • Die Umweltverschmutzung durch kaum wiederverwertbare Plastik- und Metallkombinationen
  • Vollkommen überzogene Preise für Ersatzklingen
  • Dass in regelmäßigen Abständen neue Systeme auf den Markt kommen, und man für seinen alten Rasier keine Klingen mehr bekommt

Also informierte ich mich über Alternativen. Nun verwende ich einen Rasierhobel mit halb offenem Kamm. Er stellt den für mich richtigen Kompromiss zwischen aufzubringender Vorsicht bei der Rasur und erreichter Gründlichkeit dar und bietet viele Vorteile.

  • Es fallen lediglich fünf Euro pro Jahr für Klingen an (der Preis hängt natürlich vom Hersteller und vom eigenen Bartwuchs ab)
  • Die klassischen Rasierklingen sind überall auf der Welt erhältlich
  • Man ist nicht an einen Hersteller gebunden
  • Weniger anfallender Müll, der noch dazu gut trennbar ist

Neben meinem Geldbeutel und der Umwelt profitiere ich auch selbst. Denn ich finde, ein Rasierhobel hat einfach Stil. Übertreffen könnte das nur ein Rasiermesser. Aber wie gesagt, ich habe genug von Affären.

Mit weniger zufriedener sein. Ein Paradox?

Meiner Meinung nach nur auf den ersten Blick. Denn auch als Minimalist versuche ich, zu maximieren. Ich besitze nicht weniger, mein angestrebter Besitz unterscheidet sich lediglich vom typischen Mitglied einer Überflussgesellschaft, welche keine Grenzen zu kennen scheint.

  1. Verfügbare Zeit ist für mich wertvoller, als materieller Besitz. Jede Anschaffung kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Für die Auswahl und ggf. vorangehende Recherche, für die Beschaffung. Neben der eigentlichen Benutzung wären da oft auch noch Instandhaltung, Reparatur und/oder Entsorgung.
  2. Jede nicht getätigte Anschaffung führt zu mehr finanzieller Freiheit. Diese kann vielfältig genutzt werden. Zum Beispiel um weniger Angst vor vorübergehendem Verdienstausfall in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu haben, da man eine längere Zeit überbrücken kann. Dabei muss man auch keine Abstriche machen.
  3. Die genannte finanzielle Freiheit ermöglicht es bei Anschaffungen, die tatsächlich getätigt werden, in hohe Qualität zu investieren. Also wenige, wohl überlegte Anschaffungen, aber diese dann ohne Kompromisse. Langlebige, hochwertige Produkte sparen nicht nur Ressourcen, sondern im Endeffekt oft auch noch einmal Zeit und Geld. Mein Lieblingsbeispiel ist gutes Werkzeug. Hochwertige Schraubenschlüssel kauft man sich in der Regel einmal und verwendet sie ein Leben lang.
  4. Der inneren Ruhe kann es meines Erachtens nur dienlich sein, wenn man so wenig Reize wie möglich auf sich einprasseln lässt. Welche Reize das sind, kann man nur schwer pauschalisieren. Für mich persönlich sind das vor allem Dinge wie Werbung (dazu zähle ich auch Newsletter und Bonusprogramme), soziale Netzwerke & Messenger. An diesen Stellen zu reduzieren, bringt als netten Nebeneffekt noch einmal mehr verfügbare Zeit mit sich.

Ich profitiere also schon allein durch weniger Konsum in mindestens vierfacher Hinsicht.