Schlagwort-Archive: freunde

Unverhofft kommt oft

In meinem letzten Artikel schrieb ich davon, müde zu sein. Mir fehlte der der Alltag der Austausch mit Menschen, Normalität.

Nach wie vor habe ich nicht mehr meinen normalen Freizeitalltag, so wie er noch vor einem Jahr war. D.h. an festen Tagen zum Sport gehen, sich mit Freunden treffen, Essen gehen, Ausflüge unternehmen und Vieles mehr.

Kraft schöpfe ich aber aus kleinen Inseln des neuen Alltags. Das sind das wöchentliche Online-Pubquiz, der Online-Yogakurs und zumindest die tägliche Runde um den Block.

Mir ist auch immer bewusst, dass ich im Vergleich zu vielen anderen weniger Sorgen habe. Ich habe keine Angst um meinen Job, mir geht es gesundheitlich gut, ich muss Homeoffice nicht in Einklang mit Homeschooling bringen und dabei Angst haben, dass Kinder zu kurz kommen während ich mich selbst im Hamsterrad abrenne.

Dennoch hatte es mir vor meinem zweiten Geburtstag während Corona regelrecht gegraust! Das zweite Mal daheim sitzen, Trübsal blasen, so rein gar nichts tun…

Umso schöner war es daher, dass ich einen wunderschönen Tag mit meinem Lieblingsmenschen und einer Freundin hatte. Diese hatte sich ganz spontan am Tag vorher angekündigt. Und dann noch der Überraschungsbesuch einer Freundin, um einen Geschenkkorb meiner engsten Freundinnen zu übergeben. Alles natürlich corona-konform. Dazu kamen dann noch die vielen, wirklich von Herzen kommenden Glückwünsche.

Daher: Unverhofft kommt oft. Ich hatte mich auf einen eher traurigen Tag eingestellt und war am Ende einfach nur beseelt

Soziale Reduktion – der für mich schwerste Teil

Lange habe ich überlegt. Darüber, ob ich überhaupt zu diesem heiklen Thema schreiben möchte. Denn dieses Thema ist nicht nur kompliziert, sondern auch höchst individuell. Den Anlass, mich überhaupt mit einer gewissen Frage zu beschäftigen, gab mir meine jüngere Vergangenheit.

Diese gewisse Frage lässt sich so formulieren: Manche Menschen belasten mich nur noch, sollte ich mich von ihnen lösen? Schnell ausgesprochen ist sie. Jedoch löste diese Frage zunächst eher Abneigung in mir aus. Man lässt Freunde nicht im Stich. Jeder macht einmal schwere Zeiten durch. Ich sollte ihnen lieber helfen. Schließlich haben wir auch gute Zeiten erlebt.

Was aber, wenn bei genauerer Betrachtung Einseitigkeit und emotionale Belastung seit geraumer Zeit überwiegen? Wenn schlechte Zeiten schon seit Jahren anhalten? Wenn man sich in verschiedene Richtungen entwickelt, oder einfach andere Vorstellungen von Freundschaft hat? Oder wenn man gefühlt als einzige Person Energie und Willen zeigt, die soziale Beziehung aufrecht zu erhalten?

Dann ist vielleicht ein Punkt erreicht, an dem man die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Allein dieser Gedanke war für mich Neuland. Ich bin eine treue Seele. Geradezu anhänglich. Ich verzeihe viel. Vielleicht zu viel. Entsprechend schwer fiel es mir, in die komplett andere Richtung zu gehen.

Den Kontakt zu einem langjährigen Freund oder einer Freundin abzubrechen, ist nicht einfach. Aber es ist in seltenen Fällen einfach besser. Nicht nur für mich. Was bleibt, sind Erinnerungen an schöne Zeiten, wichtige Erfahrungen fürs Leben und hin und wieder ein wenig Wehmut. Das ist okay.