Alpencross mit dem Mountainbike – Erfahrungen und Tipps

Zuletzt aktualisiert am 27. August 2020.

Ein Alpencross ist sicher eines der Highlights im Leben eines Mountainbikers. Um Interessierten zu helfen möchte ich auf dieser Themenseite meine Erfahrungen aus 7 Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike zusammenfassen.

In Zahlen: Die 7 Alpenüberquerungen, die ich bisher gemacht habe, waren allesamt im Bereich 6-7 Fahrtage mit 1650 bis 1950hm pro Tag im Schnitt. Die Tagesstrecken bewegen sich üblicherweise im Bereich von 60-90km.

Vorbereitung

Wohl kaum ein Teil einer solchen Reise wird von mehr Faktoren beeinflusst, als die Vorbereitung. Wie sieht die eigene Kondition aus? Touren welchen Umfangs werden regelmäßig gefahren usw.

Die einfache Antwort auf die Frage nach optimaler Gestaltung der Vorbereitung lautet: Viel Fahrrad fahren. Das überrascht nicht wirklich. Ich habe mich in die Grundlagen der Trainingslehre eingelesen. Begriffe wie Grundlagenausdauer, Kraftausdauer und Trainingsbereiche in Zusammenhang mit der Herzfrequenz interessierten mich. Für mich habe ich mitgenommen: Die Grundlagenausdauer hat vor allem Einfluss darauf, wie ich mich nach mehreren Touren direkt hintereinander fühle bzw. wie gut und schnell sich der Körper regeneriert. Die Kraftausdauer bestimmt die Leistungsfähigkeit in Anstiegen.

Die Grundlagenausdauer war bei mir nie das Problem, wohingegen ich an der Kraftausdauer seit längerer Zeit arbeite. Ich denke es macht Sinn, sich die eigenen Schwächen klar zu machen und zu recherchieren, was man dagegen tun kann. Das Training führe ich mit dem gleichen Material durch, wie den Alpencross selbst. Vor allem Sattel und Rucksack sollten keine Unbekannten sein. Die Sitzknochen sind erfahrungsgemäß eher die Problemzone, als die Beine.

Ausrüstung

Das Wichtigste zuerst: Einmal investieren, lange Spaß haben. Ich weiß, das tut finanziell weh. Aber es lohnt sich. Zum einen, weil man lange Freude mit den Teilen hat, zum anderen, weil sie einem in entsprechenden Situationen den Spaß an der ganzen Sache bewahren können.

Ohne einen guten Rucksack geht nichts. Bei Touren mit Übernachtung im Tal und Gepäcktransport komme ich sehr gut mit 18-20l Volumen aus. Ohne Gepäcktransport sollten es in meinen Augen 30l Volumen sein. Wichtig ist, dass der Rucksack eingetragen und richtig eingestellt ist. Viele Hersteller bieten hierzu Dokumente auf ihren Webseiten an. Der Rucksack sollte über eine Regenhülle verfügen.

Apropos Regen: Ein Satz vernünftige Regenkleidung ist immer im Rucksack. Dieser Satz umfasst in meinem Fall eine Jacke, eine Hose, Socken sowie eine Unterhelmmütze. Ich empfehle hier absichtlich keinen bestimmten Hersteller. Stattdessen schlage ich vor, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen (und bitte auch dort zu kaufen). Ich verwende eine Regenjacke in der Preisklasse 200 EUR. Das habe ich anfangs nur schwer eingesehen und mich schließlich überreden lassen. Eine siebenstündige Etappe in heftigem Dauerregen in Italien hat mich vollends überzeugt. Ohne vernünftige Regenkleidung hätte ich diesen Tag und vermutlich das gesamte Vorhaben verflucht. Für die Statistik: Im Durchschnitt hatte ich an 2 Tagen pro Alpencross Regen, wenn auch nicht immer den ganzen Tag über. Auch diese Tage machten mir Spaß, vernünftige Kleidung sei Dank.

Beim Thema Pedale und Schuhe scheiden sich die Geister endgültig. Ohne näher darauf eingehen zu wollen: Ich fahre Plattformpedale und relativ schwere Schuhe. Diese sind eher Wanderschuhe, als sportive und schnittige Mountainbike-Treter. Mit diesen Schuhen kann ich aber auch ohne weiteres Pfade und Pässe im Hochgebirge gehen. Schieben und/oder Tragen kommt nun einmal vor.

Werkzeug

Meine mobile Werkstatt hat sich mit den Jahren stetig verändert. Bestimmte Dinge kommen mir nie wieder in den Rucksack, weil ich mit der Anwendung nicht zufrieden war. Dazu zählt zum Beispiel Pannenspray.

Hier eine Liste der Dinge, die ich im Rucksack habe:

  • Rund um Reifen
    • Schlauch (trotz Tubeless)
    • Reifenheber
    • Flickzeug
    • Ventiladapter (AV auf SV, für den Gebrauch an Tankstellen)
    • Tubelessventil
    • 50ml Dichtmilch
    • Pumpe
  • Rund um Antrieb und Bremsen
    • Schaltzug
    • Schaltauge
    • Bremsbeläge
    • Kettenschloss (kein Schloss fürs Fahrrad, sondern ein Schloss für die Reparatur einer gerissenen Kette)
  • Dies und Das
    • Kabelbinder in verschiedenen Längen und Stärken
    • PVC-Klebeband
    • Einweghandschuhe
    • 2x Multitool (eines mit diversen Schraubendrehern, Kettennieter und Speichenschlüssel sowie eines mit Zange, Seitenschneider und Messer)
    • Dämpferpumpe
    • Rücklicht
    • Ersatzakkus für mein GPS
    • Erste-Hilfe-Set

Die Liste erscheint mir selbst recht umfangreich. Einige Punkte sind auch zu diskutieren. Beispiel Dämpferpumpe: Man könnte argumentieren, dass man im Falle eines Defekts mit der Pumpe auch nicht mehr weit kommt, weil die Dämpfer sowieso sofort wieder die Luft verlieren würden. Und dass man das Fahrwerk vor der Tour einstellen sollte, nicht währenddessen.

Fährt man in einer Gruppe, kann man sich absprechen. Fünf Personen müssen sicher keine fünf Luftpumpen mitnehmen. Zum Beispiel kann einer die Pumpe transportieren, ein anderer die Materialien zum Schlauchwechsel, wiederum ein anderer das Erste-Hilfe-Set.

Auch wenn die folgenden Hinweise eigentlich überflüssig sein sollten: In einer solchen Gruppe sollte man auch zusammenbleiben. Beziehungsweise daran denken, dass zum Beispiel im Falle eines Ruhetages eines Fahrers entsprechend umgepackt wird. Zudem sollte sichergestellt sein, dass eine Pumpe für jedes vorhandene Ventil vorhanden ist etc.

Allgemeine Tipps

Ich habe immer einige Riegel und Gels im Rucksack. Diese sehe ich aber eher als Notbehelf. Viel schöner ist es, mittags auf einer Hütte einzukehren. Ein Apfelstrudel oder eine Portion Kaiserschmarrn wecken nach einem langen Anstieg wieder die Lebensgeister. Und schmecken dort oben gleich doppelt lecker. Vor allem Gels sollte man im Vorfeld testen, sie belasten den Magen.

Generell ist das Gebirge der falsche Ort, um Dinge auszuprobieren. Die Bedienung des neuen GPS, die Passform neuer Werkzeuge, neue Griffe am Bike – all das sollte im Vorfeld ausprobiert und getestet werden. Ich starte nur mit bewährtem Material in eine solche Tour. Wenn absehbar ist, dass ein Gegenstand durch Abnutzung Probleme machen könnte, tausche ich diesen vor der Tour aus.

Für die meisten ist ein Alpencross oder eine vergleichbare Tour Urlaub. Damit es vor allem an den Anstiegen nicht zum Wettbewerb mutiert, halte ich mir mein Tempo vor Augen. Ich fahre mein Tempo am Berg. Sowohl rauf, als auch runter. Die eigenen Kräfte teile ich mir ein. Beim Fahren in der Gruppe können Treffpunkte vereinbart werden etc. Diese sollten bei geteiltem Werkzeug nicht zu weit entfernt sein.

Ein für mich wichtiges Element in den Bergen (und auch sonst wo) ist die gegenseitige Rücksicht. Wanderer, Biker, Reiter – alle sind aus dem gleichen Grund unterwegs, und sollten sich nicht gegenseitig das Leben schwer machen. Auch innerhalb einer Gruppe ist Rücksicht wichtig. So sollte zum Beispiel der letzte am Gipfel ankommende Mitfahrer auch zu seiner Pause kommen – er hat sie wahrscheinlich am nötigsten.

Da man nur wenig Kleidung und Wechselwäsche dabei hat, wird man regelmäßig zur Handwäsche gezwungen. Das ist an sich kein Problem, wohl aber das Trocknen der Wäsche. Ich habe eine Wäscheleine mit Haken im Gepäck, so dass ich meistens meine Wäsche draußen aufhängen kann. Bei fehlender Befestigungsmöglichkeit oder schlechtem Wetter hilft es, die zu trocknenden Stücke in ein Handtuch einzurollen und sich dann für einige Minuten darauf zu stellen. Anschließend versuche ich, die Stücke drinnen einigermaßen sinnvoll aufzuhängen. In der Regel sind sie dann am nächsten Morgen trocken.

Nützliche Helfer

Vorab: Ich erhalte keine Zuwendungen für Produktplatzierungen. Die folgenden Zeilen stellen meine persönliche Meinung dar.

Aus Neugier habe ich mir vor etwa zwei Jahren Dr. Bronners 18in1 Naturseife gekauft. Die beworbenen 18 Anwendungsfälle habe ich nicht gänzlich ausprobiert. Aber für folgende Anwendungsbereiche nutze ich die Seife, auch auf Geschäftsreisen, mittlerweile regelmäßig: Zahnpasta (hierfür allerdings nur die Pfefferminzvariante), Duschgel & Shampoo, Deo, Rasierschaum und Fleckenentferner. Alleine mit diesen sechs Anwendungsbereichen spart man ordentlich Platz im Rucksack. In meinen Augen kann die Seife aber ein Reisewaschmittel auf einer Sportreise nicht ersetzen. Man wäscht in der Regel jeden Tag, auch Unterwäsche und Sitzpolster. Dabei habe ich mit normalem Waschmittel dann doch ein besseres Gefühl.

Fürs Essen unterwegs habe ich seit vielen Jahren einen Gabellöffel. Wenn es zum Beispiel am Mittag keine Möglichkeit zum Einkehren gibt und man sich später in einem Supermarkt mit einem fertigen Salat und einer Dose Thunfisch behelfen muss, leistet einem dieses leichte Teil treue Dienste.