Vertragsfreiheit

In Deutschland genießt man als Volljähriger Vertragsfreiheit. Ich bin kein Jurist, aus der Hüfte geschossen übersetze ich das Juristendeutsch für mich folgendermaßen: Wenn keine der Vertragsparteien damit gegen geltendes Recht verstößt, können beliebige Verträge abgeschlossen werden. Natürlich nur bei beidseitigem Einverständnis.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil meiner wirtschaftlichen Mündigkeit. Noch mündiger fühle ich mich allerdings ohne Verträge. Möglichst frei von Verpflichtungen. Vor allem frei von jenen, deren Eigenschaften und Vorgaben sich nicht von mir anpassen lassen. Das nenne ich Vertragsfreiheit.

Ein eher unbedeutendes, aber aussagekräftiges Beispiel: Für mein Handy nutze ich seit Jahren eine Prepaid-Karte. Zu Hochzeiten der Ausgangsbeschränkungen während der Corona-Krise habe ich meinen Tarif abbestellt. Wenn ich im Urlaub bin, und meine Unterkunft z.B. kein vernünftiges WLAN bereitstellt, buche ich eben schnell etwas Datenvolumen dazu. Ein Tarif mit ein- oder gar zweijähriger Laufzeit ist für mich mittlerweile undenkbar.

Flexibilität und Reduktion machen gerade in unvorhersehbaren Situationen vieles leichter. Ein eigenes Auto ist schnell verkauft. Zum Beispiel bei einem Umzug in die Innenstadt. Oder bei Verlust der Beschäftigung. Ein Leasingwagen muss bezahlt werden. Auch dann, wenn ich ihn eigentlich gar nicht mehr nutze. Oder wenn er eigentlich gar nicht mehr in mein Leben passt.

Umgekehrt gibt es auch Verträge, die ich zwar monatlich kündigen könnte, aber seit vielen Jahren stetig bediene. Zum Beispiel zum Streamen von Musik. Bevor ich eine Verpflichtung eingehe, hinterfrage ich nicht nur die Konditionen, sondern auch die Verpflichtung selbst.

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